Sokol(l), Josef Vendelín (1821-1858), Violinist und Komponist

Sokol(l) Josef Vendelín, Violinist und Komponist. Geb. Březno, Böhmen (Tschechien), 27. 1. 1821; gest. St. Petersburg (St.-Peterburg, Rußland), 9. 8. 1858. – Sohn eines Wundarztes, der ihn im Violin-, Klavier- und Orgelspiel unterrichtete. S. wurde bereits 1831 am Prager Konservatorium aufgenommen und stud. an diesem bis 1837 Violine bei Mildner (s. d.). Seine ao. kompositor. Begabung konnte er in den öff. Konzerten des Konservatoriums unter Beweis stellen: 1834 spielte er sein „Adagio und Polonaise für Violine“, 1835 erfolgte die Auff. seiner „Ouvertüre“ die 1836 im Rahmen eines Festkonzerts anläßl. der Prager Krönung Ferdinands I. (s. d.) wiederholt wurde, 1837 die Auff. seines Rondos für Violine. Die Komposition einer Oper „Lear“ (begonnen 1836) blieb unvollendet. 1839 übersiedelte S. als Orchesterdir. (wahrscheinl. des Stadtorchesters) nach Wilna (Vilnius), 1841 nach St. Petersburg (dort Bekanntschaft u. a. mit Johann Seifert, s. d.), wo er ebenso wie im nahe gelegenen Pawlowsk (Pavlovsk) als Violinist in verschiedenen Unterhaltungsorchestern tätig war. In Pawlowsk spielte S. auch in der Kapelle von Johann Strauß bei dessen ab 1856 alljährl. abgehaltenen Sommerkonzerten.

L.: Bohemia, 25. 9. 1836; ČHS; Mendel–Reissmann; Otto; Rieger; Wurzbach; Dalibor 1, 1858, S. 23; E. Meliš – J. Bergmann, Průvodce v oboru českých tištěných písní, 1863, S. 199, 339; J. Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag, 1911, S. 278ff., 355; K. Sabina, Vzpomínky, 1937, S. 61f., 161.
(J. Ludvová)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 399f.
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