Solomonica, Alexander (1889-1942), Schriftsteller

Solomonica Alexander, Schriftsteller. Geb. Jassy (Iaşi, Rumänien), 21. 12. 1889; gest. vermutl. Ghetto Litzmannstadt, Dt. Reich (Polen), oder KZ Kulmhof, Dt. Reich (Polen), 1941 oder 1942 (ermordet); mos. –Lebensgefährte von Marianne, der Tochter des Schriftstellers Anton Kuh. S. wuchs ab 1891 in Wien auf. Verehrer und Anhänger von Karl Kraus (s. d.), veröff. S. u. a. 1910–11 insgesamt fünf Erz. in der „Fackel“, danach Beitrr. in „Pan“ und im „Prager Tagblatt“. Ab 1914 staatenlos, war er als ehemaliger rumän. Staatsbürger von 1916 bis Kriegsende interniert. Ebenfalls 1916 erschien seine Erz. „Herr Heckfisch“ im renommierten S. Fischer Verlag. In der Figur seines Protagonisten nimmt S. einige gesellschaftl. und polit. Entwicklungen vorweg, die im Bürgertum erst in der Zwischenkriegszeit zum Vorschein kamen: die Verunsicherung durch ein immer selbstbewußter auftretendes Proletariat, die perspektivenlose Orientierung an überholten Ges.modellen und die Bereitschaft zu einem destruktiven Radikalismus. Diese Erz. erlebte eine zweite Aufl., danach veröff. S. nur mehr weniges und zog sich, von seinem Genie überzeugt und sich verkannt fühlend, zurück. Ab den 20er Jahren lebte er mit seiner Familie in Berlin, floh jedoch 1933 vor den Nazis zurück nach Wien. Nach dem „Anschluß“ bemühte er sich um seine Emigration. Während jedoch seiner Familie die Flucht nach Großbritannien glückte, gelang es dem staatenlosen S. nicht, die für eine Ausreise notwendigen Papiere zu erlangen, obwohl sich Stefan Zweig und Franz Theodor Csokor für ihn einsetzten. S. wurde im Oktober 1941 ins Ghetto von Litzmannstadt deportiert.

W.: Herr Heckfisch und andere Schriften, ed. M. Stone, 1990; etc.
L.: Bolbecher–Kaiser; Hall–Renner; M. Stone, in: A. S., Herr Heckfisch und andere Schriften, ed. ders., 1990, S. 7ff., 153ff.; M. Krist, in: Mit der Ziehharmonika 16, 1999, Nr. 3, S. 4ff. (m. Textprobe).
(M. Krist)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 405
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