Sommerfeld, Wilhelm (um 1819-1874), Journalist

Sommerfeld Wilhelm, Journalist. Geb. Königsberg, Preußen (Kaliningrad, Rußland), um 1819; gest. Wien, 6. 6. 1874 (Selbstmord); röm.-kath. – S. begann seine phil. Stud. in Königsberg bei Karl Rosenkranz, wechselte aber dann in die jurid. Laufbahn. Anfang der 40er Jahre begann er seine publizist. Tätigkeit u. a. als Ztg.hrsg. in Berlin. An der Revolution von 1848 aktiv beteiligt, verbüßte S. danach eine mehrjährige Haftstrafe in der Festung Spandau. Mitte der 50er Jahre entlassen, übersiedelte er zunächst nach Wien, anschließend nach Pest (Budapest). Hier arbeitete er vorerst als Sekr. der Pester HK, danach als Prof. an der Handels-Akad. und ab Beginn der 60er Jahre als Mitarb. der „Ungarischen Nachrichten“ und des „Pester Lloyd“. Aufgrund seiner publizist. Wirkens auf national-ökonom. Gebiet wurde S. in Wien Sekr. beim Ver. für volkswirtschaftl. Fortschritt, gab diese Stelle jedoch bald wegen grundsätzl. Meinungsverschiedenheiten auf. 1869 gründete er gem. mit Schaeffle und F. Ph. Frh. v. Sommaruga (beide s. d.) die volkswirtschaftl. WS „Der Oesterreichische Oekonomist“, deren Red. er 1872 auch übernahm. In seinen Beitrr. trat er bes. gegen die in den Finanzkreisen herrschende Korruption auf, so etwa 1871, als er die Bevölkerung vor dem Ankauf der sog. „Türkenlose“ warnte, die das Projekt einer Eisenbahnlinie Konstantinopel – Agram mitfinanzieren sollten. Seine im Zuge der Planung für die Wr. Weltausst. 1873 gegr. Ges. zur Verwertung neuer Erfindungen brachte ihn an den Rand des finanziellen Ruins, was ihn schließl. in den Selbstmord trieb.

W.: Ein Capitel über Steuern und Vermögenssteuern insbes., in: Flugbll., 1868, H. 3; Salzmonopol und Salzsteuer. Ein wirthschaftl. Uebel und ein sociales Vergehen, ebd., 1868, H. 7; etc.
L.: NFP, 8. (A.), Pester Lloyd, 9., Wr. Sonn- und Montags-Ztg., 15., Der Oesterr. Oekonomist, 27. 6. 1874; Wurzbach; E. Walter, Österr. Tagesztg. der Jh.wende, 1994, S. 152; Pfarramt Wieden, Wien.
(Ch. Gruber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 416
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