Sophie, Friederike Erzhgn. von Österreich, Prinzessin von Bayern (1805-1872)

Sophie Friederike, Erzherzogin von Österreich, Prinzessin von Bayern. Geb. München, Bayern (Dtld.), 27. 1. 1805; gest. Wien, 28. 5. 1872; röm.-kath. – Tochter von Maximilian Joseph I., Kg. von Bayern, und Prinzessin Karoline Friederike von Baden, ab 1824 verehel. mit Erzhg. Franz Karl, Mutter von K. Franz Joseph I. sowie der Erzhg. Ferdinand Maximilian, Karl Ludwig und Ludwig Viktor, Schwiegermutter und Tante von Kn. Elisabeth (alle s. d.). S., die am Münchner Hof eine streng kath. Erziehung genossen hatte, benötigte nach ihrer Heirat einige Zeit, um sich am Wr. Hof einzuleben. Eine enge Freundschaft verband sie mit dem Hg. v. Reichstadt (s. d.), mit dem sie auch zahlreiche künstler. Interessen teilte. In ihrer Ehe tonangebend, begann S. am Wr. Hof bald polit. eine Rolle zu spielen und entwickelte sich unter dem Einfluß ihres Beichtvaters Joseph Columbus zur Vorkämpferin eines gesinnungstreuen Katholizismus sowie zur Verfechterin dynast. Interessen. Da sie ihren Gemahl als Thronerben für ungeeignet hielt, konzentrierte sie sich darauf, die Erziehung Franz Josephs zum künftigen K. zu überwachen. 1848 wirkte sie am Sturz des von ihr ungeliebten Metternich (s. Metternich-Winneburg K. W. L.Fürst) mit und betrieb in Olmütz (Olomouc), wohin der Kaiserhof im Oktober geflüchtet war, die Thronbesteigung ihres Sohnes. Der noch unerfahrene Franz Joseph stand im ersten Jahrzehnt seiner Herrschaft v. a. unter dem Einfluß seiner Mutter und des Ministerpräs. Felix Prinz zu Schwarzenberg (s. d.). So wurden die Niederwerfung der Revolution, die Rückkehr zum Absolutismus und der Abschluß des Konkordats 1855 in der Öffentlichkeit der nicht sehr populären S. angelastet. In der Heiratsfrage mußte sie sich allerdings dem Willen des K. beugen, als er gegen ihre Intentionen ihre Nichte Elisabeth ehel., mit der sie v. a. hinsichtl. der Erziehung der beiden älteren Kinder des Kaiserpaars immer wieder schwere Differenzen haben sollte. Die Niederlage bei Königgrätz, der Ausgleich mit Ungarn und der gewaltsame Tod Maximilians in Mexiko trafen den Lebensnerv S.s, die wohl als eine der bedeutendsten weibl. Persönlichkeiten des Hauses Habsburg-Lothringen bezeichnet werden kann.

L.: ADB; Czeike; Wurzbach; Briefe K. Franz Josephs I. an seine Mutter 1838–72, ed. F. Schnürer, 1930 (m. B.); F. Reinöhl, in: Hist. Bll. 4., 1931, S. 109ff.; Die Habsburger, ed. B. Hamann, 1988 (m. B.); G. Holler, S. Die heiml. Kn. ..., 1993 (m. B.); F. Weissensteiner, Frauen um Kronprinz Rudolf, 2004, S. 79ff. (m. B.).
(F. Weissensteiner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 429f.
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