Sothen, Johann Carl Frh. von (1823-1881), Großhändler und Bankier

Sothen Johann Carl Frh. von, Großhändler und Bankier. Geb. Wien, 15. 5. 1823; gest. am Cobenzl, NÖ (Wien), 10. 6. 1881 (ermordet); röm.-kath. – Sohn eines Schneiders und späteren Tabaktrafikanten und Lottokollektanten. S., der sich aus kleinen Anfängen emporarbeitete, begann im Geschäft seines Vaters in Wien 1. Durch den Handel mit Spielkarten und Losen, insbes. der Verbreitung von Losen der Armenlotterie in der Provinz, aber auch durch den Ein- und Verkauf von „Staatsanlehens-Losen“ sowie von Obligationen, Gold- und Silbermünzen und der Ausspielung von Realitäten, erwarb er ein beträchtl. Vermögen. Dabei soll er sich auch unlauterer Methoden bedient haben, etwa indem er den Umstand nützte, daß man am Tag der Ziehung der Kleinen Lotterie in Prag noch in Wien setzen konnte: S. beschaffte sich angebl. mittels Brieftauben Kenntnis der in Prag gezogenen Losnummern und verwendete dieses Wissen mißbräuchl. Er verdiente so gut, daß er einerseits ein Bank- und Wechselhaus in Wien 1 begründen, sich anderseits in der Öffentlichkeit als Wohltäter präsentieren konnte, etwa durch Kriegsinvalidenstiftungen. Es fehlte auch nicht an – u. a. päpstl. – Ehrungen für S., der 1871 in den Sachsen-Meiningenschen Frh.stand erhoben wurde. Er erwarb 1849 das Gut „Am Himmel“ – wo er 1856 anläßl. der Vermählung des K.paares die Elisabeth-Votivkapelle, die spätere Begräbniskapelle für sich und seine Frau, stiftete – sowie 1868 die ehemalige Herrschaft Cobenzl am Rand von Wien. Dort war S., um dessen Person sich viele Anekdoten rankten, für seinen Geiz und die Ausbeutung seiner Landarbeiter berüchtigt, die sich wiederum durch passive Resistenz zu wehren versuchten. Er wurde von einem seiner Heger erschossen, den er kurz zuvor wegen Lohnstreitigkeiten entlassen hatte.

L.: NFP, 11.–14. 6. 1881; Wr. Mittags-Ztg., 27. 1. 1932; Czeike; Wurzbach; Döbling. Eine Heimatkde. des 19. Wr.Bez., 1922, s. Reg.; K. J. Apfel, in: Geliebte Heimat 11/12, 1969, S. 4; H. Apfel, ebd. 13, 1971, S. 2ff.; AVA, WStLA, beide Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 433
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>