Soyka (Soika, Sojka), Isidor (1850-1889), Hygieniker

Soyka (Soika, Sojka) Isidor, Hygieniker. Geb. Jaroměř, Böhmen (Tschechien), 26. 4. 1850; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 23. 2. 1889 (Selbstmord). – Sohn eines jüd. Kaufmanns. Nach Absolv. des Gymn. in Königgrätz (Hradec Králové) stud. S. ab 1868 Med. an der Univ. Prag; 1874 Dr. med. Bereits 1873 wurde er 3. Ass. am Patholog.- anatom. Inst. in Prag unter Klebs (s. d.), der sein Interesse für die Bakteriol. weckte. 1875 zum 2. Ass. ernannt, habil. sich S. 1877 für patholog. Anatomie, 1878 wurde die Venia legendi auf Hygiene erweitert. Seine Vorlesungstätigkeit war jedoch aufgrund mehrerer Stud.aufenhalte in München bei Max v. Pettenkofer stark eingeschränkt. 1879 wurde S. auf Anregung Pettenkofers 2. Ass. am Hygiene-Inst. der med. Fak. in München, wo er bis 1884 blieb. 1880–83 arbeitete er gleichzeitig in der sog. Allg. Abt. der Münchner TH, an der er sich 1880 für Bauhygiene habil. 1884 an die Univ. Prag zurückgekehrt, wurde S. im selben Jahr ao. Prof. für Hygiene an der dt. med. Fak., womit der erste Lehrstuhl dieser Art für Böhmen und Mähren begründet wurde. S. errichtete nach dem Münchner Vorbild – zunächst prov., ab 1887/88 in adaptierten Räumen im Karolinum-Gebäude – das erste Hygiene-Inst. in Prag. Weitere Stud.reisen nach London und Den Haag (1884), zu Robert Kochs Reichsamt für Gesundheit in Berlin (1885) sowie nach Kopenhagen und Brüssel (1888) folgten. Wiss. befaßte sich S. mit der Entwicklung der Bakteriol. und Epidemiol., u. a. mit dem damaligen Streit zwischen den Schulen Pettenkofers und Kochs, wobei seine Arbeiten über den Erdboden Zeichen einer Annäherung der Bakteriol.-Schule Kochs an die Hygiene-Schule Pettenkofers aufweisen. Bedeutend waren S.s Publ. in Bezug auf öff. Gesundheit und Kommunalhygiene, insbes. zur Kanalisation, zum Trinkwasser und zur Stadtsanierung. Seine Smlg. von Mikroorganismen, die er nach eigenen Methoden fixierte und konservierte, wurde europaweit ausgest. 1885–86 fungierte er auch als Hrsg. der „Prager medizinischen Wochenschrift“. S., Mitgl. der Leopoldin.-karolin. Akad. in Halle, Ehren- bzw. k. M. mehrerer wiss. Ges., war unter seinen Kollegen allerdings sehr umstritten. Zusätzl. gesundheitl. und familiäre Probleme trieben ihn zum Selbstmord.

W.: s. u. Mötsch.
L.: P. Diepgen, Unvollendete. Vom Leben und Wirken frühverstorbener Forscher und Ärzte, 1960, S. 81ff.; W. Mötsch, Personalbibliographien ... Karl-Ferdinands-Univ. in Prag ... 1880–1910, med. Diss. Erlangen-Nürnberg, 1972, S. 118ff. (m. W. und L.); P. Svobodný, in: Dějiny věd a techniky 28, 1995, S. 1ff., 145ff. (m. B.); ders., in: Hygiene und Judentum, ed. N. Goldenbogen u. a. (= Hist. Bll. aus Politik und Geschichte, Sonderh.), 1995, S. 27ff.; L. Hlaváčková – P. Svobodný, Biograph. Lex. der dt. med. Fak. in Prag 1883–1945, 1998; UA, Praha, Tschechien.
(P. Svobodný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 439f.
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