Spalowsky, Franz (1875-1938), Gewerkschaftsfunktionär und Politiker

Spalowsky Franz, Gewerkschaftsfunktionär und Politiker. Geb. Wien, 14. 10. 1875; gest. ebd., 24. 6. 1938; röm.-kath. – S. besuchte die Staatsgewerbeschule und erlernte den Beruf eines Tischlers. Bereits früh in der aufkommenden christl. Arbeiterbewegung aktiv, war er u. a. 1894 Mitbegründer des Christl. Fortbildungs- und Unterstützungsver. der Wr. Tischlergehilfen. 1902 war S. führend an der Gründung des Vorläufers der christl. Gewerkschaften, des Reichsverbands der nichtpolit. Vereinigungen Österr., beteiligt und wurde 1904 Hrsg. und Red. der Ztg. „Der christliche Gewerkschafter“. 1909 wurde S., der ab 1906 auch Mitgl. der Reichsgewerkschaftskomm. war, zum Vors. der neugegr. Zentralkomm. der Christl. Gewerkschaften gewählt und stieg damit zur führenden Persönlichkeit der christl. Gewerkschaftsbewegung auf. Im selben Jahr gründete er gem. mit Hemala (s. d.) den Reichsbund der christl. Arbeiterjugend Österr. und wurde als christlichsozialer Abg. in den nö. LT entsandt. Ab 1908 auch auf internationaler Ebene aktiv, war S. u. a. Vorstandsmitgl. des Internationalen Bundes der Christl. Gewerkschaften. Bereits in dieser Phase hatte er sich als Vordenker der christl. Arbeiterbewegung profiliert. S., auch stellv. Obmann des christl. Holzarbeiterverbands, gehörte ab 1914 dem Wr. Gmd.rat an und war ab 1917 Stadtrat. Während des 1. Weltkriegs konnte er als Mitgl. des Arbeitsbeirats im Handelsmin. wichtige sozialpolit. Maßnahmen mitgestalten. 1918/19 Mitgl. des prov. Gmd.- rats und Stadtsenats von Wien sowie des prov. nö. LT. 1919/20 Mitgl. der Konstituierenden Nationalversmlg. und danach bis 1934 Nationalratsabg., personifizierte er als sozialpolit. Sprecher der CSP die enge Verbindung der christl. Gewerkschaften mit dieser Partei. Daneben bekleidete er hohe Positionen in der Sozialversicherung und in kath. Organisationen, etwa als Vizepräs. des kath. Volksbunds. Trotz einiger Bedenken nach der Ausschaltung des Parlaments 1933 war S. bereit, sich mit dem autoritären Ständestaat zu arrangieren und an der Spitze der – nunmehr staatl. gesteuerten –christl. Arbeiterbewegung zu bleiben.

W.: Christl. Gewerkschaften (= Broschüren-Smlg. 1), 3. Aufl. 1907.
L.: Kleines Volksbl., 24. 6. 1948; F. Freund, Die Konstituierende Dt.österr. Nationalversmlg., (1919), s. Reg. (m. B.); A. Pelinka, Stand oder Klasse? Die Christl. Arbeiterbewegung Österr. 1933–38, 1972, s. Reg.; Die christl. Gewerkschaften in Österr., 1975, s. Reg.; K. Stubenvoll, Die christl. Arbeiterbewegung Österr. 1918–33, 1–2, phil. Diss. Wien, 1982; L. Reichhold, Geschichte der christl. Gewerkschaften Österr., 1987, s. Reg., bes. S. 861; Biograph. Lex. der österr. Parlamentarier 1918–98, 1998; P. B. Wodrazka, Und es gab sie doch! Die Geschichte der christl. Arbeiterbewegung in Österr. in der 1. Republik (= Europ. Hochschulschriften 3/960), 2003, passim; O. Krause, Biograph. Hdb. des NÖ LT 1861–1921, 2004, Ms., ÖBL, Wien; WStLA, Wien.
(Ch. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 446f.
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