Spannagel, Rudolf (1866-1904), Alpinist, Vereinsfunktionär und Lehrer

Spannagel Rudolf, Alpinist, Vereinsfunktionär und Lehrer. Geb. Wien, 17. 11. 1866; gest. auf der Rax (NÖ), 6. 11. 1904 (verunglückt). – Sohn eines Viehkommissionshändlers. Nach Absolv. des Gymn. stud. S. 1886–89 und 1890–92 an der Univ. Wien Jus; 1895 Dr. jur. Bereits während des Stud. mußte S. nach dem plötzl. Tod seines Vaters dessen Viehkommissionsgeschäft auf dem Schlachtviehmarkt übernehmen. Daneben unterrichtete er ab 1894 Volkswirtschaftslehre und Wechselrecht an der Handelsschule Weiss in Wien, wo er zuletzt auch stellv. Dir. war. S. versuchte sich auch in der Politik, so war er im Vorstand des Dt. Ver. in Wien und 1900–04 christlichsozialer Abg. im Wr. Gmd.rat. Schon seit seiner Jugend war er als Mitgl. des Österr. Alpenklubs begeisterter Alpinist und wurde bald in der alpinen Szene Wiens geschätzt. Lange Zeit auch Mitgl. des DÖAV, wurde er 1902 zunächst in den Vorstand des ÖTK kooptiert, kurz darauf Vizepräs., und übernahm im Mai 1903 die Leitung der Geschäfte des Ver. Unter S.s Präsidentschaft konnte sich der in Schwierigkeiten befindl. ÖTK wieder konsolidieren. So gelang es ihm etwa, die Zahl der Mitgl. um nahezu 2.000 zu erhöhen oder die regelmäßigen Ver.versmlgg. zu gesellschaftl. Ereignissen zu machen. Seine letzte Bergfahrt führte ihn gem. mit einer kleinen Gruppe auf die Rax, wo er – unangeseilt – am Innthalerband abstürzte. Nach ihm wurden das S.-Haus in den Zillertaler Alpen und der S.-Turm in der Sächs. Schweiz“ in Dtld. benannt.

L.: NFP, 7. (A.), NWT, 7. (auch A.), 8. 11. 1904; Czeike; Mitth. des DÖAV, 1904, S. 271; Österr. Touristen-Ztg. 24, 1904, S. 399, 408f., 415ff.; P. Sova, Alpinismus in Wien, 1999, S. 332; UA, Wien; Mitt. Walter Wenzel, Wien.
(Ch. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 448
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