Spannocchi, Lelio Gf. (1868–1946), Offizier

Spannocchi Lelio Gf., Offizier. Geb. Theresienstadt, Böhmen (Terezín, Tschechien), 3. 8. 1868; gest. Wien, 7. 3. 1946; röm.-kath. Sohn des Off. Julius, Enkel von Peter Leopold Gf. S. (s. d.). S. absolv. 1887–90 die Militär-Akad. in Wr. Neustadt, wurde danach zum Ulanenrgt. 7 ausgemustert und war, nach Besuch der Kriegsschule (1894–96), ab 1896 Gen.stabsoff. bei Truppenstäben in Galizien, Wien und Siebenbürgen. Nach kurzer Truppendienstleistung wurde er 1907 Militärattaché in St. Petersburg, wo er gute Beziehungen zur russ. militär. Führung aufbaute; 1908 Mjr. und Flügeladj. des K. Durch den Hinweis eines befreundeten Diplomaten hätte er beinahe den für Rußland spionierenden Obst. Alfred Redl (s. d.) enttarnt, wurde jedoch in Wien mit seiner Information ausgerechnet an diesen verwiesen. Bald darauf wurde S. durch Kontakte zu einem Informanten in Rußland kompromittiert und mußte abberufen werden. Eigenen Angaben zufolge soll er dabei einer Intrige Redls zum Opfer gefallen sein. Ab 1911 wieder beim Ulanenrgt. 7, war S. danach Kmdt. des Ulanenrgt. 13, das er (1914 Obst.) auf dem galiz. Kriegsschauplatz erfolgreich führte. 1916 – kurz nach dem russ. Durchbruch bei Łuck (Luc’k) – übernahm er die 21. Kav.brig. 1917 GM, wurde er im Juni 1918 bevollmächtigter Gen. bei der ukrain. Regierung in Kiew. Er half deren Neutralität sowie kriegswichtige Lebensmitteltransporte sicherzustellen und organisierte nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte den Abtransport der Ost-Armee aus der Ukraine. Nach dem Krieg war S. schriftsteller. tätig; 1927–31 fungierte er als Präs. der Wr. Campagne-Reiter-Ges. Sein Nachlaß, eine wichtige Quelle zu den österr.-russ. Beziehungen 1907–10, befindet sich im KA Wien.

W.: Das neue russ. Kav.reglement vom Jahre 1912, 1912; Die Reitvorschrift der russ. Kav., 1913; Das Ende des k. russ. Heeres, 1932; zahlreiche Beitrr. für Österr. Wehrztg.; etc. – Mitarb. an Österr.-Ungarns letzter Krieg, 1930ff.; etc.
L.: Duschnitz–Hoffmann, S. IIIf. (m. B.); Emődi; Svoboda; Österr.-Ungarns letzter Krieg 4, 1933, 7, 1938, s. Reg.; Ein Gen. im Zwielicht. Die Erinnerungen E. Glaises v. Horstenau, ed. P. Broucek, 2 (= Veröff. der Komm. für neuere Geschichte Österr. 70), 1983, s. Reg.; G. Markus, Der Fall Redl, 1984, s. Reg. (m. B.); G. Kronenbitter, „Krieg im Frieden“ (= Stud. zur internationalen Geschichte 13), 2003, s. Reg.; KA, Wien.
(A. Schmidt-Brentano)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 1
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