Spaun, Anton von (1790–1849), Schriftsteller, Volkskundler und Beamter

Spaun Anton von, Schriftsteller, Volkskundler und Beamter. Geb. Linz (OÖ), 31. 5. 1790; gest. Kremsmünster (OÖ), 26. 6. 1849; röm.-kath. Sohn des Landrats und Syndikus der oö. Landstände Franz Xav. (1756–1804), Neffe von Franz Anton v. S., Bruder von Josef Frh. v. S. (beide s. d.) und von Marie v. S. (s. u. Josef Frh. v. S.), Onkel von Hermann, Großonkel von Max(imilian) II. Frh. v. S. (beide s. d.). S. trat nach Vollendung seiner rechts- und staatswiss. Stud. 1810 in Linz als Auskultant in den Staatsdienst, wurde 1818 Sekr., 1821 Stadt- und Landrat, 1830 Verordneter des Ritterstands im oö. ständ. LT und war zuletzt – wie schon sein Vater – 1839–49 Syndikus der oö. Landstände. Gegenüber allen kulturellen Belangen äußerst aufgeschlossen und vielseitig, verfügte S. insbes. über Interessen und Kenntnisse auf den Gebieten Musik, Literatur und bildende Kunst, hier v. a. der Gotik. Bereits in jungen Jahren versammelte er einen „Freundschaftsbund“ um sich und auch in späteren Jahren war sein Haus in Linz Mittelpunkt schöngeistiger Bestrebungen. Zum Freundeskreis S.s gehörte neben Franz Schubert (s. d.) und Angehörigen des Schubert-Umfelds, wie M. v. Schwind, die Schriftsteller Johann Mayrhofer und F. v. Schober (alle s. d.), etwa auch Adalbert Stifter, der S. neben literar. Anregungen für seinen Roman „Witiko“ auch entscheidende Impulse für seine Tätigkeit als Landeskonservator verdankte. So gehörte die Erhaltung und Bewahrung der kulturellen Denkmäler in OÖ zu S.s vordringlichsten Anliegen, woraus einerseits 1833 sein Anstoß zur Gründung des Ver. des vaterländ. Mus. für Österr. ob der Enns mit Inbegriff des Herzogtums Sbg. resultierte, aus dem das Oö. Landesmus. und der Oö. Musealver. hervorgingen, andererseits seine 1827 einsetzende rege Sammeltätigkeit auf volkskundl. Gebiet. S.s Smlg. „Oesterreichische Volksweisen ...“, 1845 (mehrfach aufgelegt, Nachdruck 1995), stellt nicht nur eine frühe Dokumentation des volksmusikal. Lebens von OÖ dar, sondern ist auch von großer Bedeutung für die Volksmusikforschung, da S. auch die Gewährsleute und hist. Hintergründe der Texte aufzeichnete. Seine literaturwiss. Abhh. befassen sich hauptsächl. mit der älteren dt. Literatur, im speziellen dem „Nibelungenlied“ und dessen Verf., als den S. Heinrich von Ofterdingen annahm. Wenn auch diese These letztl. nicht haltbar war, so trug doch S.s Auseinandersetzung mit der mittelalterl. Dichtung wesentl. dazu bei, diese im Bewußtsein des Bildungsbürgertums seiner Zeit wieder lebendig zu machen. 1848 wurde S. zum k. M. der Akad. der Wiss. in Wien ernannt.

W. (auch s. u. Goedeke; Kosch; Lyon): Heinrich von Ofterdingen und das Nibelungenlied, 1840; zahlreiche Beitrr. in Z. des Mus. Francisco Carolinum; etc.
L.: Neues Volksbl., 22. 6. 1995 (m. B.); ADB; Goedeke, s. Reg.bd. (m. W.); Kosch (m. W.); Wurzbach; J. Angsüßer, in: Jb. des Oö. Musealver. 85, 1933, S. 1ff. (m. B.); I. Zibermayr, ebd., S. 138ff.; A. Depiny, ebd., S. 509ff.; H. Prosl, Der Freundeskreis um A. v. S., phil. Diss. Innsbruck, 1951 (m. B.); O. Jungmair, in: Oö. Heimatbll. 9, 1955, S. 262ff. (m. B.); D. Lyon, A. v. S., phil. Diss. Graz, 1964 (m. W. u. L.); P. Volks, in: Jb. des Oö. Musealver. 140, 1995, 1, S. 83ff.; A. Blöchl, in: Oö. Heimatbll. 49, 1995, S. 359ff. (m. B.); Schubert-Enz., ed. E. Hilmar – M. Jestremski, 2 (= Veröff. des Internationalen F. Schubert-Inst. 14), 2004.
(E. Lebensaft)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 5f.
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