Spaun, Hermann Frh. von (1833–1919), Marineoffizier

Spaun Hermann Frh. von, Marineoffizier. Geb. Wien, 9. 5. 1833; gest. Gorizia (Italien), 23. 5. 1919; röm.-kath. Großneffe von Franz Anton, Neffe von Anton v. S. (beide s. d.) und Marie v. S. (s. u. Josef Frh. v. S.), Sohn von Josef Frh. v. S. (s. d.). S. trat nach dem Gymn.besuch in Wien 1850 in die Kriegsmarine ein, wurde 1853 Fregatten-, 1856 Linienschiffsfähnrich und 1858 erstmals Kmdt. eines kleinen Schiffes. Nach weiteren Einschiffungen nahm er 1864 auf der Panzerfregatte „Don Juan d’Austria“ am Krieg gegen Dänemark teil, hatte jedoch keinen Feindkontakt, wohl aber 1866, als er als 2. Kmdt. der Panzerfregatte „Erzherzog Ferdinand Max“ bei Lissa (Vis) eingesetzt wurde. 1869 wurde er Korvettenkapitän und Kmdt. eines Kanonenboots im Mittelmeer, 1871 Fregattenkapitän, und war 1873–79 Marine-Attaché in London. Anschließend fungierte S. vier Jahre als Lehrer von Erzhg. Karl Stephan (später selbst Admiral) in den maritimen Gegenständen und als dessen Reisebegleiter nach Brasilien und Nordamerika. 1881 Linienschiffskapitän, 1886 Konteradmiral; als solcher stand er bis 1897 dem Marinetechn. Komitee vor. 1892 Vizeadmiral, wurde S. 1897 Chef der Marinesektion des Reichskriegsmin. und Marine-Kmdt. 1898 legte er ein Programm zum Bau von Großkampfschiffen für die nächsten zehn Jahre vor, von dem allerdings nur ein Bruchteil realisiert wurde, während die Kleinkampfeinheiten völlig vernachlässigt wurden. Auslandseinsätze vor Kreta (1897), während des span.-amerikan. Kriegs vor Kuba (1898) und während des Boxeraufstands in China (1900) bestätigten den internationalen Rang der k. u. k. Flotte; dagegen reduzierte S. die Überseereisen einzelner Kriegsschiffe zu Ausbildungs- und Forschungszwecken. 1899 Admiral, wurde sein Vorstoß zur Schaffung einer vom Reichskriegsmin. unabhängigen Admiralität 1900 vom K. abgelehnt. Budgetstreitigkeiten mit Reichskriegsminister H. Frh. v. Pitreich (s. d.) führten 1904 zum Rücktritt S.s. Noch unter seiner Ägide wurde im selben Jahr der österr. Flottenver. gegr. 1909 wurde ein Kleiner Kreuzer nach S. benannt; ferner war er u. a. Geh. Rat (1897) und ab 1902 lebenslängl. Mitgl. des HH.

L.: NÖB 15, S. 113ff. (m. B.); G. Kolmer, Das HH des österr. RR, 1907; H. Bayer v. Bayersburg, Österr. Admirale und bedeutende Persönlichkeiten der k. u. k. Kriegsmarine 1867–1918 (= Österr.-R. 154/156), 1962; A. Schmidt-Brentano, Die österr. Admirale 1, 1997, S. 380ff. (m. B. u. L.); KA, Wien.
(A. Schmidt-Brentano)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 6f.
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