Spechtenhauser, Johann Bapt. (1760–1820), Theologe

Spechtenhauser Johann Bapt., Theologe. Geb. Unserfrau, Gmd. Schnals, Tirol (Madonna/Unser Frau, Italien), 27. 10. 1760; gest. Innsbruck (Tirol), 13. 7. 1820; röm.-kath. Sohn eines Lehrers. S. absolv. nach Besuch des Gymn. in Meran (Merano) ab 1778 die phil. Jgg. an der Univ. Innsbruck, stud. an dieser ab 1780 zunächst Theol., dann Med. und Jus und trat schließl. 1783 in das neueröffnete Innsbrucker Gen.seminar ein. Als dessen Zögling absolv. er die theol. Stud. an der Univ. sowie den prakt.-theol. Jg. am Gen.seminar in Wien; 1787 Priesterweihe in Wien. Danach Präfekt am Innsbrucker Gen.seminar, war S. 1792–1820 Prof. für Moraltheol. an der Univ. (bzw. am Lyzeum) Innsbruck, 1810–17 hielt er auch die Vorlesungen aus Pastoraltheol.; 1792 Dr. theol., 1801/02 Vorstand („Prorektor“) der Univ., 1807–09 Rektor, mehrmals Dekan der theol. Fak. Ebenso wie etwa Johann Bapt. Anton Bertholdi und Feilmoser (s. d.) lehrte S. an der theol. Fak. im reformkath. Geist der Aufklärung, in deren Sinne er sich mehr der phil. Ethik (der Priester als „moralischer Volkslehrer“) als der orthodoxen Dogmatik verpflichtet fühlte. Diese bes. unter der bayer. Regierung Tirols (1806–14) geförderte Ausrichtung führte während der im Verlauf des Freiheitskampfes von 1809 erfolgten zeitweisen Wiedervereinigung Tirols mit Österr. zur Deportation S.s (gem. mit Bertholdi und J. A. Schultes, s. d.) erst nach Ungarn, dann nach Böhmen und schließl. nach München, von wo er 1810 auf seine Professur am Innsbrucker Lyzeum zurückkehrte.

W.: Christl. Pastoral-Unterricht, als Leitfaden für die Vorlesungen am kgl. baier. Lyceum zu Innsbruck, 2 Tle., 1814–16.
L.: Bote für Tirol, 14. 8. 1820, Beilage 4; (J. A. Schultes – J. B. A. Bertholdi), Geschichte der Deportierung der kgl.-baier. Civilbeamten nach Ungarn und Böhmen … 1–2, 1810, passim; F. J. Waitzenegger, Gelehrten- und Schriftsteller-Lex. der dt. kath. Geistlichkeit 2, 1820; J. Probst, Geschichte der Univ. in Innsbruck seit der Entstehung bis zum Jahre 1860, 1869, passim; F. Sissulak SJ, in: Z. für kath. Theol. 71, 1949, S. 64, 70ff.; H. Ewaldt, Das Innsbrucker Gen.seminar …, phil. Diss. Innsbruck, 1951, S. 113ff.; L. Lentner, Katechetik und Religionsunterricht in Österr. 1, 1955, S. 264ff.; A. Mitterbacher, Der Einfluß der Aufklärung an der theol. Fak. der Univ. Innsbruck (1790–1823) (= Forschungen zur Innsbrucker Univ.geschichte 2), 1962, s. Reg.; E. Coreth SJ, Die Theol. Fak. Innsbruck (= Veröff. der Univ. Innsbruck 212), 1995, S. 53ff.
(H. Reitterer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 10f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>