Spiegelfeld, Markus Gf. von; eigentl. Matz von Spiegelfeld Markus Gf. (1858–1943), Beamter

Spiegelfeld Markus Gf. von, eigentl. Matz von Spiegelfeld Markus Gf., Beamter. Geb. Innsbruck (Tirol), 16. 2. 1858; gest. ebd., 6. 5. 1943. Sohn des späteren Statthalters von OÖ, Franz (Matz) Frh. v. S. (1802–1885) und der Maria, geb. Gfn. Bussy-Mignot (1831–1902), ab 1888 verehel. mit Albertine Freiin v. Tschiderer zu Gleifheim, ab 1939 mit Leonarda Freiin v. Bianchi. S. stud. 1876/77 in Paris, 1877–79 in Wien und 1879/80 in Innsbruck Jus (abs. jur. 1880) und trat im selben Jahr bei der Statthalterei in Innsbruck in den Staatsdienst. Danach 1893–97 bei der Bez.hauptmannschaft Trient und der Statthaltereiabt. in Trient, stand er 1888–91 bei der Bez.hauptmannschaft in Kitzbühel in Verwendung. 1897–1901 war S. Bez.hptm. von Meran, 1901 wurde er mit der Leitung des Präsidialbüros der Statthalterei betraut und bald darauf dem Min. des Innern dienstzugeteilt, 1904 zum Statthaltereirat extra statum der Statthalterei für Tirol und Vbg. ernannt. 1906 Vizepräs. der Statthalterei, wurde er noch im selben Jahr mit deren Leitung betraut und 1907 Statthalter. Seine Amtszeit war von Konflikten um die Wahlrechtsreform, die Radikalisierung der Nationalitätenfrage durch das Auftreten des dt.nationalen Volksbunds (ab 1905) sowie die Affäre um den umstrittenen Prof. für Kirchenrecht Ludwig Wahrmund überschattet. Dabei geriet S. zwischen die Fronten der Wahrmund bekämpfenden Konservativen und der Regierung, die ihm die Verantwortung für diesen Konflikt zuschob. Erfolg hatte S. mit seinen hartnäckigen Bemühungen, trotz der zeitweise unnachgiebigen Gegnerschaft der Dt.nationalen und Altkonservativen 1910 die Schulgesetze im Landtag durchzubringen. In der Wahlrechtsreformfrage setzte er sich im selben Jahr auch durch eigene Anträge für einen Kompromiß ein, da er befürchtete, mit der Forderung nach dem allg. Wahlrecht auf Landesebene konfrontiert zu werden. Schließl. scheiterte S. – wie schon mehrere seiner Vorgänger – an einer nationalpolit. Frage, der Erbauung der Fleimstalbahn, in der er alle polit. Parteien gegen sich aufbrachte. Da Ministerpräs. Karl Gf. Stürgkh v. a. eine Kraftprobe mit den Italienern vermeiden wollte, wurde S. Ende März 1913 i. d. R. versetzt. Während des 1. Weltkriegs betätigte sich S. im Rahmen des Roten Kreuzes in der Kriegsgefangenenfürsorge und wurde 1917 in den Gf.stand erhoben.

L.: Habsburgermonarchie 7, s. Reg.; A. Bundsmann, Die Landeschefs von Tirol und Vbg. in der Zeit von 1815–1913 (= Schlern-Schriften 117), 1954, S. 204ff.; P. Wiesflecker, Nobilitierungen K. Karls I. v. Österr., phil. Diss. Wien, 1992, S. 125; UA, Wien.
(R. Schober)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 20f.
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