Spiegl von Thurnsee, Edgar d. J.; ab 1917 auch Spiegl-Bonyhay (1876–1931), Sammler und Diplomat

Spiegl von Thurnsee Edgar d. J., ab 1917 auch Spiegl-Bonyhay, Sammler und Diplomat. Geb. Wien, 9. 5. 1876; gest. Bad Ischl (OÖ), 2. 10. 1931; röm.-kath. Sohn von Edgar S. v. T. d. Ä. (s. d.), ab 1917 verehel. mit Lucia, der Tochter des Bankiers und k. u. k. Gen.konsuls in Frankfurt Maximilian Frh. v. Goldschmidt-Rothschild. Nach Besuch des Theresianums in Wien trat S. in die Konsularakad. ein, war 1901–03 im diplomat. Probedienst am Konsulat Kairo, absolv. 1903 die Konsularattachéprüfung, wurde 1904 zur judiziellen Praxis der Gerichtsbehörde in Triest zugeteilt und war i. d. F. Konsularattaché und 1907–08 Vizekonsul am Gen.konsulat London, 1908–10 am Gen.konsulat Berlin, hierauf in Disponibilität. Zu Beginn des 1. Weltkriegs war er dem Kriegsmin. zugeteilt, 1916–17 im Min. des Äußern und hierauf wiederum in Disponibilität. Zwar erhielt er 1918 den Titel eines Konsuls, doch bedeutete der Zusammenbruch der Monarchie das Ende seiner diplomat. Laufbahn. S. interessierte sich für Literatur, Musik und Theater und stand in freundschaftl. Kontakt u. a. mit Rilke, Girardi, H. Hofmann v. Hofmannsthal, M. Reinhardt (alle s. d.), Jakob Wassermann und Clemens Frh. v. u. z. Franckenstein, dem Gen.intendanten der Münchner Hofoper. Ab der Jh.wende hielt er sich immer wieder im Salzkammergut auf, wo er K. Mautner (s. d.) besuchte. 1918 erwarb er eine Gutswirtschaft auf der Engleithen bei Bad Ischl, wohin er 1920 übersiedelte, kleidete sich ländl.-erlesen und wirkte dadurch stilbildend und vorbildgebend. Während Mautner die geistige Volkskultur sammelte, sie im Schöpfer. nachempfand und wiss. erforschte, tendierte S. zu Erhaltung und Bewahrung der letzten Zeugnisse und Dokumente des traditionellen Lebens. I. d. F. wurde S. zum bedeutendsten Sammler von Objekten des gesamten Salzkammerguts als einer bes. wichtigen volkskulturellen Landschaft, stellte eine funktionelle Betrachtungsweise der Dinge vor die werkstoffl. Gliederung und begann im sog. Riedlerhäusl die Aufstellung seiner Smlg., erlebte aber deren Vollendung 1933 nicht mehr. Dieses – nach Viktor v. Geramb – „kleinste, aber feinste Volkskundemuseum Europas“ ging 1961 an das Land OÖ und wurde 1968 als wichtigster Tl. einer eigenen volkskundl. Abt. im Oö. Landesmus. präsentiert. Den spezif. Wert der Smlg. machen einerseits die geschlossenen Objektreihen aus, andererseits die Häufung von gut- und frühdatierten (16. Jh.) Stücken.

L.: NFP, 3. 10. 1931; Illustrierte Wochenschau, 8. 5. 1960; Salzkammergut-Ztg., 4. 10. 1984; Jb. des k. u. k. Auswärtigen Dienstes … 21, 1917, bes. S. 422f.; Österr. Z. für Volkskde. 71 (NR 22), 1968, S. 250ff., 100 (NR 51), 1997, S. 75ff.; F. C. Lipp, Erlesenes Volksgut der Alpenländer … Smlg. E. v. S. (= Kat. des Oö. Landesmus. 58), Linz 1968 (Kat., m. B.); ders., in: Jb. des Oö. Musealver. 128 (= FS 150 Jahre Oö. Musealver., Ges. für Landeskde.), 2, 1983, S. 102, 104, 107ff.; ders., in: Oö. Kulturber. 43, 1989, F. 17, S. 1ff.; AdR, AVA, HHStA, MA 35, alle Wien; Mitt. Rudolf Agstner, Wien.
(M. Martischnig)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 21f.
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