Spielmann, Alois (1841–1928), Schulmann und klassischer Philologe

Spielmann Alois, Schulmann und klassischer Philologe. Geb. Obsteig (Tirol), 2. 3. 1841; gest. Bressanone/Brixen (Italien), 1. 1. 1928. Sohn des Bauern, Gastwirts und Gmd.vorstehers Joseph S. (1800–1867), Bruder von Ferdinand S. (s. u.). S. maturierte 1861 am Gymn. in Innsbruck, stud. dann Theol. in Brixen, erhielt 1865 die Priesterweihe und wirkte dannach als Hilfspriester in Fügen und Wenns. 1867–73 stud. er Phil. an der Univ. Innsbruck (1872 Lehramtsprüfung aus klass. Philol.); 1873 Dr. phil. 1872 wurde er von V. F Gasser (s. d.) zum Stud.dir. und Subregens des Diözesan-Knabenseminars Vincentinum in Brixen ernannt. S. unterrichtete dort alle Fächer, übernahm 1880 zunächst prov. die Gesamtleitung des Inst. und stand diesem ab 1886 (fürstbischöfl. Rat) als Regens vor. Er modernisierte das Vincentinum durch wirtschaftl. Einrichtungen (Kunstmühle, Sägewerk, Elektrizitätswerk) und ließ den Theatersaal mit den Bildern des sog. Parzival-Zyklus (von Edmund und August Wörndle v. Adelsfried) ausschmücken. 1919 trat S. altersbedingt, aber auch wegen der durch die Annexion Südtirols durch Italien geänderten Verhältnisse von seiner Stelle zurück. Er übte auch verschiedene Funktionen außerhalb der Anstalt aus (u. a. ab 1892 Mitgl. des Landesschulrats von Tirol) und gründete 1901 gem. mit Alfred Kirchberger den den „Alttiroler“ (alt)konservativen und bischofstreuen Standpunkt vertretenden Kath.-patriot. Ver. Brixen und Umgebung. S. wurde 1897 zum Päpstl. Hausprälaten ernannt, 1898 Ritter des Franz Joseph-Ordens, 1912 Ehrenbürger der Stadt Brixen und 1915 Ehrendomherr des Kathedralkapitels von Brixen. Sein Bruder Ferdinand S. (geb. Obsteig, 14. 7. 1845; gest. Bressanone/Brixen, 17. 5. 1920) erhielt 1869 die Priesterweihe (1879 Dr. phil.) und unterrichtete ab 1874 am Vincentinum u. a. klass. Philol. Er war auch publizist. und in verschiedenen Ver. tätig.

W.: Die Echtheit des Platon. Dialoges Charmides mit Beziehung auf die „Platonische Frage“, 1875; Platon’s Pantheismus, in: 2. Programm des F. B. Knaben-Seminars der Dioecese Brixen … 1877, 1877; Die Aristotel. Stellen vom tritos anthropos, in: 16. Jahresber. des F. B. Privat-Gymn. am Seminarium Vincentinum … 1891, 1891; Rückschau auf die ersten 25 Jahre der Anstalt, in: FS zur Feier des 25jährigen Bestandes des f.b. Diöcesan-Knabenseminars … in Brixen 1872–97, ed. gem. m. H. Falbesoner, 1897; J. Greuter, in: Tiroler Ehrenkranz, ed. A. Lanner, 1925; etc.
L.: Tiroler Anzeiger, 2., Dolomiten, Innsbrucker Nachrichten, 3., Kath. Sonntagsbl., 8. 1. 1928; Kath. Litteraturkal. 4, 1894, S. 199; J. Lercher, in: Der Schlern 47, 1973, S. 233f., (B.) nach S. 244; P. Rainer, in: Vinzentinum. Jahresber. 1998, 1998, S. 17f. – Ferdinand S.: Kath. Litteraturkal. 4, 1894, S. 200; J. Lercher, in: Der Schlern 47, 1973, S. 235.
(Ch. Roilo)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 23
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