Spielmann, Julius (1866–1920), Sänger

Spielmann Julius, Sänger. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 21. 7. 1866; gest. Berlin, Dt. Reich (Dtld.), 12. 6. 1920. Sohn eines Kaufmanns. S. begann 1885 als Chorist am Prager Nationaltheater. Sein Talent wurde von Angelo Neumann (s. d.) entdeckt und gefördert. Als Tenorsänger trat er 1887–89 an mehreren kleinen Theatern Böhmens auf, 1890 erhielt er ein Engagement in Graz. 1891 wurde er an das Friedrich Wilhelmstädter-Theater in Berlin verpflichtet, wo er sich als Operettensänger große Popularität erwarb; im folgenden Jahr trat er am Bellevuetheater Stettin (Szczecin) auf und gehörte ab 1893 für zwei Jahre dem Ensemble des Theaters an der Wien an. 1895 wurde er von Dir. Bernhard Pollini an das Hamburger Opernhaus verpflichtet, wo er als Opernsänger namentl. in Wagner-Rollen verwendet wurde. Am Wr. Carltheater wirkte er ab 1896 wieder als Operettensänger, 1898/99 gehörte er der Wr. Hofoper an, wo er unter Mahlers (s. d.) Dion. in Rollen wie David, Mime („Siegfried“), Canio und Turiddu auftrat. S. setzte seine Karriere vorwiegend als Operettensänger fort, u. a. sang er 1899 am Carltheater den Gf. Zedlau in der Urauff. von Johann Strauß’ „Wiener Blut“. Als Leiter und Hauptdarsteller eines Wr. Operettenensembles bereiste er (ab 1896) mehrmals Rußland und Rumänien. 1900–02 in St. Petersburg engag., sang er danach bis 1915 an dt. Bühnen (München, Berlin, Hamburg) sowie 1909–10 in Amsterdam. S. erwarb sich Verdienste um die Verbreitung der Operetten von Johann Strauß Sohn, Millöcker (s. d.), Franz v. Suppé und Karl Zeller. Seine Stimme ist durch zahlreiche Schallplattenaufnahmen erhalten.

Hauptrollen: David (R. Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg); Loge (ders., Das Rheingold); Canio (R. Leoncavallo, Der Bajazzo); Turiddu (P. Mascagni, Cavalleria rusticana); etc.
L.: Eisenberg, Bühne; Kosch, Theaterlex.; Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; Ulrich; V. Reittererová – H. Reitterer, Vier Dutzend rothe Strümpfe … Zur Rezeptionsgeschichte der „Verkauften Braut“ … (= Theatergeschichte Österr. 3/4), 2004, S. 402f.
(C. Höslinger)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 24
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