Špinka, Václav (1796–1842), Buchdrucker, Verleger und Übersetzer

Špinka Václav, Buchdrucker, Verleger und Übersetzer. Geb. Habern, Böhmen (Habry, Tschechien), 13. 9. 1796; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 7. 2. 1842. Ab 1838 verehel. mit Anna, geb. Vlčková, später verehel. Vetterl (v. Wildenbrunn) (s. u.). Š. besuchte ab 1807 das Gymn. in Deutschbrod (Havlíčkův Brod), absolv. danach an der Univ. Prag die phil. Jgg. und begann ein Theol.stud., das er jedoch 1819 abbrach, um sich dem Buchdruck zu widmen. Er trat in die erzbischöfl. Buchdruckerei des verstorbenen Franz Vetterl v. Wildenbrunn in Prag ein, die von dessen Witwe Josefa weitergeführt wurde. Als Faktor und von 1838 bis zu seinem Tod Pächter dieser Druckerei trug Š. wesentl. zu deren Aufschwung bei. Neben der traditionellen Ausrichtung auf weltl. und geistl. Druckschriften, Gymn.programme, Diss. etc. konzentrierte sich Š. bes. auf die Ed. tschech. Original- und Übers.literatur, Belletristik und Dramen, aber auch Fachliteratur (etwa von Josef Jungmanns Wörterbuch „Slovník česko-německý“, 1835, oder J. F. Smetanas Weltgeschichte „Obraz starého swěta …“, 1832) und sorgte auch für die Hrsg. diverser Z. („Časopis pro katolické duchovenstvo“, „Časopis českého museum“, „Časopis technologický“) und Almanache („Kytka“). Seine eigenen, kleineren Prosaversuche und Ged. veröff. Š. in den Z. „Dobroslav“, „Hyllos“, „Rozmanitosti“, in Buchform erschienen u. a. seine Übers. der Lustspiele August v. Kotzebues. Aufgrund seines Interesses für die tschech. Literatur war Š. mit mehreren tschech. Literaten und Wissenschaftlern, wie F. L. Čelakovský, J. K. Chmelenský, Jakub Malý, J. S. Presl (alle s. d.), Jan Nep. Štěpánek und Norbert Vaněk, befreundet und veranstaltete in seinem Haus sog. Akad. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Anna Š. (gest. Detroit, Mich., USA, 6. 1. 1869) den Druckereibetrieb und heiratete einen Neffen Franz Vetterls v. Wildenbrunn, Karl Vetterl v. Wildenbrunn, der allerdings das Adelsprädikat ablegte. Die Druckerei war bald derart abgewirtschaftet, daß sie an die Fa. G. Haase Söhne abgetreten werden mußte. Nach dem Tod ihres zweiten Gatten 1853 wanderte Anna Š., die auch noch eine weitere Buchdruckerei erworben haben soll, gem. mit ihrem Sohn in die USA aus, wo sie sich in Detroit niederließ.

L.: Pražské noviny, 10. 2. 1842; Otto; Rieger; Wurzbach (s. Š. v. Trebnik); Česká včela 9, 1842, S. 67f.; K. A. Vinařického, Korespondence a spisy pamětní 2, 1909, s. Reg.; K. Nosovský, Knihopisná nauka a vývoj knihkupectví československého, 1927, S. 213; J. Volf, Geschichte des Buchdrucks in Böhmen und Mähren bis 1848, 1928, s. Reg.; J. B. Pichl, Vlastenecké vzpomínky (= Paměti 8), 1936, S. 50, 231; K. Chyba, Slovník knihtiskařů v Československu od nejstarších dob do r. 1860, 1984, s. Reg.; J. Barták – V. Kraus, Typografové 1468–1939, 1996, s. Reg. – Anna Š.: Wurzbach (s. u. Vetterl v. Wildenbrunn); J. Volf, Geschichte des Buchdrucks in Böhmen und Mähren bis 1848, 1928, s. Reg.
(V. Petrbok)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 30f.
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