Spitz, Albrecht (1883–1918), Geologe

Spitz Albrecht, Geologe. Geb. Iglau, Mähren (Jihlava, Tschechien), 7. 7. 1883; gest. bei Sulden, Tirol (Solda/Sulden, Italien), 4. 9. 1918; evang. AB. Sohn eines Advokaten. Nach Absolv. des Gymn. in Iglau stud. S. ab 1902 zunächst Geographie an der Univ. Wien bei Penck (s. d.). Unter dem Einfluß seiner akadem. Lehrer Viktor Uhlig, Diener und Friedrich Becke (beide s. d.) wandte er sich aber den Fächern Geol., Paläontol. und Mineral. zu. V. a. Uhlig erweckte in S. bes. Interesse für die komplexe Problematik der Alpengeol. Während einer 1903 unternommenen Exkursion in die Karn. Alpen faßte S. den Entschluß, die silur. und devon. Gastropodenfauna ebenso wie die Tektonik und Stratigraphie dieser Region genauer zu erforschen, ein Vorhaben, das er 1906 mit seiner Diss. „Zur Kenntnis des Karnischen Silur und Devon“ realisierte. 1906 Dr. phil., beschäftigte sich S. zunächst mit geolog. Forschungen über den subalpinen Höllensteinzug bei Kaltenleutgeben, die er 1910 publ. Als Petrograph trat er 1909 mit einer Stud. über die bas. Eruptivgesteine der Kitzbühler Alpen hervor. Bes. Bedeutung erlangte S. durch die Erforschung der Engadiner Dolomiten, die er gem. mit seinem Freund Günter Dyrenfurth unternahm. In einer 1915 veröff. Stud. ordneten die beiden Wiss. die gesamte tekton. Bildungsweise dieses Gebietes einem von Osten nach Westen gerichteten Schub zu. In weiterer Folge dehnten sie ihre Stud. auf die Ducan- und Plessurgruppe aus, wo sie gegen Westen konvexe Faltenbögen, die rhät. Bögen, konstatieren zu können glaubten, wodurch sie in Widerspruch zu namhaften Schweizer Geologen gerieten. 1911 trat S. als Volontär in die Geolog. Reichsanstalt in Wien ein, wurde hier 1915 besoldeter Praktikant, ehe er 1918 zum Ass. avancierte. 1915 zum Militärdienst einberufen, kam er 1917 an die Ortlerfront und stieg bald zum Fähnrich auf. 1918 dürfte S. bei Feldforschungen, die er für die Fertigstellung einer kriegsgeolog. Karte der Ortlergruppe unternahm, einem alpinen Unfall zum Opfer gefallen sein.

W.: s. u. Ampferer; Dyrenfurth; Trauth.
L.: R. v. Klebelsberg, in: Mitt. des DÖAV 44, 1918, S. 127f.; O. Ampferer, in: Jb. der Geolog. Reichsanstalt 68, 1918, S. 161ff. (m. B. u. W.); G. Dyrenfurth, in: Monographie der Engadiner Dolomiten zwischen Schuls, Scanfs und dem Stilfserjoch (= Beitrr. zur Geolog. Karte der Schweiz, Beilage zu Lfg. 44, NF), 1919 (m. B. u. W.); F. Trauth, in: Mitt. der Geolog. Ges. in Wien 11, 1918/19, S. 257ff. (m. W.); K. Lambrecht u. a., Palaeontologi. Cat. bio-bibliographicus (= Fossilium cat. 1, Animalia 72), 1938; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae (= Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; W. A. S. Sarjeant, Geologists and the History of Geol. 3, 1980; H. W. Flügel, in: Mitt. der Österr. Ges. für Geschichte der Naturwiss. 12, 1992, 3–4, S. 107f.; R. Trümpy – R. Oberhauser, in: Abhh. der Geolog. Bundesanstalt 56/1, 1999, S. 20; Archiv der Geolog. Bundesanstalt, KA, UA, alle Wien.
(J. Seidl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 35
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