Spitzer, Leonie Adele (1891–1940), Schriftstellerin und Lehrerin

Spitzer Leonie Adele, Schriftstellerin und Lehrerin. Geb. Wien, 17. 5. 1891; gest. Oxford (Großbritannien), 5. 6. 1940; mos. Enkelin von Simon S. (s. d.), Tochter des Obermedizinalrats Franz S. (gest. 17. 6. 1929), der als Arzt der Schriftsteller- und Journalistenvereinigung Concordia wirkte, Zwillingsschwester von Fritz S. (geb. Wien, 17. 5. 1891; gest. ebd., November 1938, Selbstmord), ab 1919 prakt. Arzt und Krankenkassenarzt in Wien. S. wurde ursprüngl. gem. mit ihrem Bruder von Hauslehrern unterrichtet, besuchte eine zeitlang das Lyzeum Hanausek und erwarb 1912 die Lehrbefähigung für Französ. und Engl. Bereits 1911 erstmals in England, lebte sie 1912–13 in Oxford. Nach Wien zurückgekehrt, legte sie 1916 am Reformrealgymn. in Wien 3 die Matura ab und stud. danach bis 1920 an der Univ. Wien Phil., 1920 Dr. phil. mit einer stilkrit. Untersuchung über Rilkes (s. d.) Verskunst. 1921–22 Lektorin beim Rikola-Verlag, wandte sie sich i. d. F. dem Lehrberuf zu, legte 1923 die Lehramtsprüfung für Gymn. ab und war danach an verschiedenen Mittelschulen in Wien, zuletzt, ab 1929, am Floridsdorfer Gymn. tätig. Nach der nationalsozialist. Machtübernahme wurde sie 1938 i. d. R. versetzt und ging ins Exil nach Italien, von dort 1939 nach Oxford, wo sie vorerst eine Stellung am Cheltenham Ladies College, dann in Crofton Grange erhielt, jedoch bald darauf einem schweren Leiden erlag. Neben frühen Dramenversuchen verf. S. Ged. und Prosa, die tw. von ihrer Cousine Helene Adolf, die ihren Nachlaß betreute, hrsg. wurden.

W.: Wandlungen der Liebe, ed. H. Adolf, 1978; Die Familie Höchst, ed. dies., 1986; etc.
L.: Bolbecher–Kaiser; Hdb. jüd. AutorInnen; Jb. der Wr. Ges. (für Fritz S.); Kosch; Die Familie Höchst, ed. H. Adolf, 1986, S. 105ff. (m. B., auch für die anderen Familienmitgl.); R. Wall, Lex. dt.sprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933–45, 2, Neuaufl. 2004 (m. B.).
(E. Lebensaft)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 41
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