Sprenger, Paul Eduard (1798–1854), Architekt

Sprenger Paul Eduard, Architekt. Geb. Schloß Sagan, Preußen (Żagań, Polen), 20. 8. 1798; gest. Wien, 29. 10. 1854; röm.-kath. Sohn eines Schloßkastellans. S., dessen Familie zu Beginn des 19. Jh. nach Böhmen übersiedelt war, erhielt seinen ersten Unterricht im elterl. Haus und besuchte 1811–14 das Gymn. in Sagan, 1815 begann er das Stud. der städt. und ökonom. Baukunst, Feldmeß- und Wasserbaukunst an der kgl. Kunst- und Bauhandwerksschule zu Breslau (Wrocław). Finanziell unterstützt durch Hgn. (Katharina) Wilhelmine v. Sagan, wechselte er nach Wien, wo er 1817–21 am polytechn. Inst. sowie 1818–23 an der ABK stud. und daneben bereits für P. Nobile, K. Moreau und J. v. Kudriaffsky (alle s. d.) arbeitete. 1824–28 Ass. J. H. Purkyněs (s. d.) für Land- und Wasserbaukunst am polytechn. Inst., wurde er 1827 prov., 1828 def. Prof. der Mathematik und Perspektive an der ABK; 1835 o. Rat der Akad. 1841 k. k. Rat, legte er 1842 seine Professur zurück und wurde Mitgl. des Hofbaurats (1842 w. k. k. Hofbaurat) und als solcher zuständig für die öff. Bauten. 1843–44 bereiste S. Istrien, Frankreich, England, Dtld., Belgien und die Niederlande und wurde 1844 einer der Dir. der ung. Central-Eisenbahnges., für die er i. d. F. Bahnhöfe in Pest (Budapest), Waitzen (Vác) und Szolnok plante. Nach der Reform des öff. Bauwesens und der Auflösung des Hofbaurats 1849 wechselte S. in das neugeschaffene Min. für Handel, Gewerbe und öff. Bauten; 1849 Sektionsrat, 1850 Vorsteher der Sektion Hochbau. Chron. erkrankt, hielt er sich zuletzt 1854 zur Kur in Karlsbad (Karlovy Vary) auf, verstarb jedoch kurz nach seiner Rückkehr nach Wien an der Cholera. S. gelang es, zur Zeit des Vormärz trotz aller gebotenen Sparsamkeit zweckmäßig und doch anspruchsvoll zu bauen: Zu seinen Hauptwerken zählen in Wien das Hauptmünzamt, 1835–37, die Finanzlandesdion., 1843–44, und der Umbau des Mariazellerhofs zum Hofkammerarchiv, 1843–44. Sein stilist. Spektrum reicht vom Barockklassizismus über den romant. Historismus bis hin zu Ansätzen eines strengen Historismus. Von den freien Architekten oft angefeindet und durch R. v. Eitelberger-Edelberg (s. d.) kritisiert, wurde S.s Œuvre zu seiner Zeit als geistloser Bürokratenstil abgetan; erst um die Mitte des 20. Jh. objektivierte sich die Beurteilung seiner Leistungen durch die Kunstgeschichtsschreibung. S. erhielt vielfache Ausz. (u. a. 1850 Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens) und war Mitgl. zahlreicher in- und ausländ. Ver., so Ehrenmitgl. und k. M. des Royal Inst. of British Architects, Mitgl. der ABK in Wien und Mailand und der Central-Komm. zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale in Österr.

W.: s. u. Cerny; Schmalhofer.
L.: Czeike; Die Wr. Ringstraße 4, 7–8; Thieme–Becker; Wurzbach; L. v. Köchel, in: Notizbl. der Allg. Bauztg. …3, 1855, S. 217ff. (m. B.); W. Cerny, P. S., phil. Diss. Wien, 1968 (m. tw. W.); R. Wagner-Rieger, Wiens Architektur im 19. Jh., 1970, s. Reg.; The Dictionary of Art 29, 1996; E. Schmalhofer, P. S., 1798–1854, Architekt im Dienste des Staates, phil. Diss. Wien, 2000 (m. W. u. L.); Th. Brückler – U. Nimeth, Personenlex. zur Österr. Denkmalpflege, 2001.
(E. Schmalhofer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 49f.
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