Springer, Gustav Frh. von (1842–1920), Großindustrieller und Großgrundbesitzer

Springer Gustav Frh. von, Großindustrieller und Großgrundbesitzer. Geb. Wien, 29. 9. 1842; gest. ebd., 12. 4. 1920; mos. Sohn von Max (s. d.), Bruder von Alfred und Hermann Frh. v. S. (beide s. u.), ab 1871 verehel. mit Helene, geb. Freiin v. Königswarter (gest. 2. 6. 1886). S. war ab Anfang der 1860er Jahre in der väterl. Wien-Reindorfer Spiritus- u. Preßhefefabrik tätig, in der er später gem. mit seinen Brüdern Hermann und Alfred Ges., ab 1904 Alleininhaber war, ehe sie mit den Vereinigten Mautner-Markhofschen Preßhefefabriken fusioniert wurde. Nach der Finanzkrise 1873 gewissermaßen zum Wiederaufbau des Hauses gezwungen, setzte er – anders als sein Vater – verstärkt auf die industriellen Unternehmungen, insbes. auf die Preßhefeind. mit ihren Nebenerzeugnissen. V. a. in Frankreich, wo diese mangels einer bedeutenden Brauind. kaum bekannt war, stießen die Brüder mit Fabriken in Maisons-Alfort und in Ris-Orangis bei Paris in eine Marktlücke. Neben Preßhefe wurden dort auch Malzmehlsorten erzeugt und nach Rußland, Serbien, Italien, Belgien und in die Türkei exportiert. S. besaß eine Reihe tw. von seinem Vater ererbter Beteiligungen an industriellen Unternehmungen, etwa in Elbogen (Loket) und Jaworzno, an den Braunkohlewerken in Zieditz (Citice) sowie Güter in Mähren und Ungarn, verfügte über einen umfangreichen Zinshausbesitz in Wien, aber auch über ein Ringstraßenpalais und die Springer-Villa in Meidling (Wien 12), in der häufig Persönlichkeiten des polit., künstler. und wirtschaftl. Lebens zu Gast waren. S. war ab 1870 Mitgl. des elitären Jockey-Clubs, besaß bis 1912 einen der größten Rennställe der Monarchie und war Stifter und Mitbegr. des Wr. Trabrennver. sowie Stifter des Trabrennver. zu Baden bei Wien. Zuletzt beschränkte sich seine Tätigkeit auf die Verwaltung des umfangreichen Vermögens und philanthrop. Aktivitäten. Seine Tochter, Maria Cäcilia Freiin v. S. (geb. 3. 5. 1886), war in erster Ehe mit Eugène Fould verheiratet, auf den S.s Frh.stand 1908 übertragen wurde. Von S.s Brüdern, Alfred Frh. v. S. (geb. Wien, 9. 9. 1843; gest. ebd., 11. 11. 1904; bis 1891 mos., dann röm.-kath.) und Hermann Frh. v. S. (geb. Wien, 6. 12. 1845; gest. Paris, Frankreich, 9. 2. 1895; mos.), war letzterer an der Verwaltung der Familienbetriebe aktiv beteiligt, insbes. an der Leitung des Bank- und Handelshauses sowie an den Spiritus- und Preßhefefabriken in Maisons-Alfort und in Ris-Orangis. Alfred hingegen absolv. die Ing.schule am Polytechnikum in Karlsruhe und trat 1870 als Lt. in die mähr.-schles. Landwehr-Dragoner-Escadron 3 ein, wo er bis 1875 diente. Auch er war öff. Ges. der Familienunternehmen und besaß Anteile an den diversen Grundstücken und Liegenschaften der Familie S. Mitgl. des Jockey Clubs Österr., war auch er Stifter und Mitbegr. des Wr. Trabrennver. und Stifter des Trabrennver. zu Baden bei Wien. Er war Mitgl. der sog. Lammges., in der auch prominente Künstler verkehrten.

L.: NFP, 13. (A.), 15. 4. 1920; Ch. Klusacek – K. Stimmer, Meidling, 1992, s. Reg.; G. Berger, Die Springer-Villa. Erbauer und Bewohner, 1992; H. W. Bousska, in: Wr. Geschichtsbll., Beih. 4, 2002, S. 35f.; AVA, IKG, WStLA, alle Wien; Materialiensmlg. ÖBL, Wien. – Alfred Frh. v. S.: NFP, 12. 11. 1904 (auch A.); IKG, WStLA, beide Wien. – Hermann Frh. v. S.: NFP, 9., 11. (beide A.), 12., 13. (A.) 2. 1895; IKG, WStLA, beide Wien.
(J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 52
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