Srbik, Robert von (1878–1948), Glaziologe und Offizier

Srbik Robert von, Glaziologe und Offizier. Geb. Wien, 10. 11. 1878; gest. Innsbruck (Tirol), 26. 10. 1948. Sohn des Finanzbeamten, Kunstexperten und Kupferstichsammlers Franz v. S. (1840–1910), Enkel von Grauert (s. d.), Zwillingsbruder des Historikers und Ministers Heinrich v. S. Nach Absolv. der Theresian. Akad. in Wien besuchte S. ab 1900 die Theresian. Militärakad. in Wr. Neustadt. Zum Lt. befördert, war er bis 1903 der Landwehr beim Feldjägerbaon. 21 (Tulln) zugeordnet. 1903–05 besuchte er den Gen.stabskurs, danach bis 1909 als Gen.stabsoff. in der 6. Gebirgsbrig. 1909/10 Truppendienst beim 3. Tiroler Kaiserjägerrgt. wechselte er 1910–12 als Lehrer an die Inf.kadettenschule nach Innsbruck, wo er bis 1914 in der Gen.stabsabt. des 14. Korps diente. Ab 1910 stud. S. auch Geschichte und Dt. Philol. an der Univ. Innsbruck, Dr. phil. 1914 als Hptm. des Gen.stabes; 1914/15 in der Gen.stabsabt. des 14. Korps in Galizien und Rußland, stand er nach Verwundung 1915/16 in der Gen.stabsabt. in Tirol in Verwendung. 1916/17 fungierte er als Div.gen.stabschef der Gruppe Etschtal, danach als Chef der Organisationsgruppe des Armeeoberkmdo. Mit Ende des 1. Weltkriegs als Obst. des Gen.stabes i. R., lehnte er das Angebot, die türk. Armee zu reorganisieren, ab. S. widmete sich dem Stud. der Geol. und verschrieb sich der geolog., geograph. sowie ab 1925 in Zusammenarbeit mit dem Alpenver. insbes. der glaziolog. Forschung. Er erforschte und dokumentierte die Veränderungen der Gletscher, v. a. im Ötztal. 1928–38 hielt er an der Univ. Innsbruck Vorlesungen über angewandte Geol. und Geschichte der Geol. S. begleitete Raimund v. Klebelsberg zu Thumburg nach Spanien, Italien und Griechenland und unternahm eine Stud.reise nach Bornholm. Er publ. rund 150 Arbeiten aus verschiedenen Fachbereichen der Geschichte, Geol., Meteorol. und Geographie. Als sein Hauptwerk und bibliograph. Standardwerk gilt die dreibändige „Geologische Bibliographie der Ostalpen“, 1935–37. In Anerkennung seiner Verdienste um die Landeskde. Tirols und Ktn. wurde S. 1944 zum Ehrenmitgl. der Univ. Innsbruck ernannt, erhielt u. a. das Ritterkreuz des Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration und Schwertern sowie den Titel Reg.Rat.

W.: Die Darstellung Tirols auf der Dtld.karte des Ch. Schrott (Sgrothenius) 1565, in: Mitt. der Geograph. Ges. in Wien 70, 1927; Überblick des Bergbaues von Tirol und Vbg. in Vergangenheit und Gegenwart, in: Berr. des Naturwiss.-Med. Ver. Innsbruck 41, 1924/25–1928/29, 1929; Goethe und die Geol. ..., in: Geolog. Rundschau 23, 1932; Glazialgeol. der Nordseite des Karn. Kammes, in: Carinthia II, 6, 1936; Die Margarita philosophica des G. Reisch († 1525) …, in: Denkschriften Wien, math.-nat. Kl. 104, 1941; Bes. Verfallserscheinungen an einigen Ötztaler Gletschern 1932–45, in: Veröff. des Mus. Ferdinandeum 26/29, 1949; zahlreiche Beitrr. in Tiroler Heimatbll. und Z. für Gletscherkde., für Eiszeitforschung und Geschichte des Klimas; etc.
L.: Innsbrucker Nachrichten, 11. 12. 1944; Tiroler Nachrichten, 28., Tiroler Tagesztg., 28., Dolomiten, 30./31., WZ, 31. 10., NFP, 3. 11. 1948; H. Wolf, in: Z. für Gletscherkde., für Eiszeitforschung und Geschichte des Klimas 14, 1926, S. 178ff.; R. v. Klebelsberg, Geol. von Tirol, 1935, S. 691; G. Mutschlechner, in: Der Schlern 22, 1948, H. 12, S. 439f.; ders., in: Tiroler Heimatbll. 9/10, 1949, S. 194f.; R. v. Klebelsberg, in: Berge und Heimat 2, 1949, S. 66f.; A. Tollmann, Geol. von Österr. 3, 1986, S. 2, 8, 42, 658; P. Goller – G. Oberkofler, Mineral. und Geol. an der Leopold-Franzens-Univ. Innsbruck ... (= Forschungen zur Innsbrucker Univ.geschichte 15), 1990, passim; G. Pfaundler-Spat, Tirol-Lex., neubearb. Aufl. 2005; UA, Innsbruck, Tirol; WStLA, Wien.
(W. Neuner)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 59f.
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