Stache, Friedrich August von (1814–1895), Architekt und Fachschriftsteller

Stache Friedrich August von, Architekt und Fachschriftsteller. Geb. Wien, 30. 7. 1814; gest. Graz (Stmk.), 17. 6. 1895; röm.-kath. Onkel von H. Frh. v. Ferstel (s. d.). Nach Absolv. der Realschule (1829) stud. S. 1830–33 am Wr. polytechn. Inst. sowie ab 1832 an der ABK bei P. Nobile (s. d.) und trat 1836 als Praktikant in den Staatsdienst ein. Bereits 1837–40 wurde nach seinen Plänen der Seitzerhof (Wien 1) umgebaut und darin der erste Basar Wiens eingerichtet. 1842 erhielt S. ein dreijähriges Italienstipendium, weitere Stud.reisen nach Frankreich, England und Dtld. folgten. Nach seiner Rückkehr zum fürstl. Kinskyschen Architekten ernannt, führte er, großteils in Böhmen, zahlreiche Neu- und Umbauten von Schlössern, Kirchen, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden durch, wobei er tw. gem. mit seinem Neffen Ferstel arbeitete. 1858 beteiligte sich S. an der Ausschreibung für den Wr. Stadterweiterungsplan und erhielt für seinen Entwurf neben Sicard v. Sicardsburg, van der Nüll und L. Ch. F. Förster (alle s. d.) den 1. Preis; ab 1859 Mitgl. der neugegr. Wr. Baukomm. Als Mitgl. und Obmann des Albrecht Dürer Ver. förderte S. die Idee eines großen gem. Künstlerhauses und war 1861 wesentl. an der Fusion mit der Künstlervereinigung Eintracht und der daraus resultierenden Gründung der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens beteiligt. 1862–63 war er als deren Vorstand tätig und entwarf den Finanzierungsplan zur Erbauung des Künstlerhauses, des ersten Ver.- und Ausst.hauses im gesamten dt.sprachigen Raum; für diese Verdienste als „Vater des Künstlerhauses“ bezeichnet, fungierte er 1863 als Gründer, und wurde 1868 zu dessen Ehrenmitgl. ernannt. Im selben Jahr übersiedelte S. aus gesundheitl. Gründen nach Graz und war auch hier in zahlreichen Ver., u. a. im stmk. Ver. zur Förderung der Kunst-Ind., tätig; als Vizepräs. des Stadt-Verschönerungs-Ver. und Obmann von dessen techn. Sektion trug er wesentl. zum Zustandekommen der Grazer Parkanlagen bei. Ab 1875 war er als techn. Konsulent der k. k. priv. Riunione Adriatica di Sicurtà tätig. S., der v. a. durch seine organisator. Tätigkeit hervortrat, fungierte 1867 als Mitgl. der internationalen Jury bei der Weltausst. in Paris und war Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. zahlreicher Institutionen, u. a. des Nö. Gewerbever., der Wr. ABK, der Accad. di San Luca und der Kunstgenossenschaft in München. Oberbaurat S. wurde u. a. 1846 mit der Großen Goldenen Medaille für Wiss. und Kunst, 1863 mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1868 mit dem Orden der Eisernen Krone III. Kl. sowie 1869 durch die Erhebung in den Ritterstand ausgez.

W.: Marienaltar, 1854–55 (Stephansdom, Wien, gem. m. H. v. Ferstel); Großmarkthalle, 1865 (Wien, gem. m. C. Gabriel); etc. – Publ.: Denkschrift zu den Plänen für die Erweiterung und Verschönerung Wiens, 1858; Erinnerung an den 20. December 1862, 1862; Vorlesungen über die Bedeutung der Kunst im staatl. Leben, 1863; Das Wr. Künstlerhaus, 1866; Mein Schatzkästlein der Kunst …, 1887; etc.
L.: Das Vaterland, NFP, WZ, 18., Grazer Morgenpost, 19., Tagespost (Graz), 19., 20. 6. 1895; Czeike; DBE; Die Wr. Ringstraße 4, s. Reg.; Thieme–Becker; Wurzbach; C. Bodenstein, Hundert Jahre Kunstgeschichte Wiens 1788–1888, 1888, S. 181f.; R. Schmidt, Das Wr. Künstlerhaus …, 1951, passim; W. Wagner, Die Geschichte der ABK in Wien (= Veröff. der ABK in Wien, NF 1), 1967, s. Reg.; R. Wagner-Rieger, Wiens Architektur im 19. Jh., 1970, s. Reg.; Der Karlsplatz in Wien, red. E. Oliwa (= Beitrr. zur Stadtforschung, Stadtentwicklung und Stadtgestaltung 8), 1981, S. 21; B. Kriller – G. Kugler, Das kunsthist. Mus. Die Architektur und Ausstattung (= Führer 42), 1991, S. 16, 18; W. Aichelburg, Das Wr. Künstlerhaus 1861–2001, 1 (= Monographien zur Kunst Österr. im 20. Jh. 1/1), 2003, s. Reg.; Archiv der ABK, Archiv der TU, beide Wien.
(W. Aichelburg)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 65f.
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