Stache, Karl Heinrich Hector Guido (1833–1921), Geologe und Paläontologe

Stache Karl Heinrich Hector Guido, Geologe und Paläontologe. Geb. Namslau, Preußen (Namysłów, Polen), 28. 3. 1833; gest. Wien, 11. 4. 1921. Nach Absolv. des Gymn. in Breslau (Wrocław) stud. S. ab 1851 an den Univ. Berlin und Breslau Phil., Physik, Chemie, Zool., vergleichende Anatomie, Botanik, Mineral., Geol. und Paläontol. Daneben als Hauslehrer tätig, erlernte er Latein, Griech., Französ., Engl. und Italien.; 1855 Dr. phil. an der Univ. Breslau. 1857 Lehramtsprüfung in Naturwiss. und dt. Literaturgeschichte. Ab 1857 Praktikant der Geolog. Reichsanstalt, war S. 1861–67 dort Hilfsgeologe. In dieser Zeit begann er mit der geolog. Bearb. von Siebenbürgen (1860), Dalmatien (1862) und der Westkarpaten (1863). Ab 1870 befaßte er sich mit geolog. Aufnahmearbeiten in den kristallinen Gesteinen der Zillertaler Alpen, 1872 in den Gailtaler Alpen, wo er einen bemerkenswerten Fund von Graptolithen (Silur) machte. 1873 Bergrat und Chefgeologe. 1875 reiste er nach Tunis, 1877 erhielt er den Titel eines Oberbergrats. 1880 begann er mit Stud. zur Trinkwasserversorgung des österr.-ung. Kriegshafens Pola (Pula), 1883 konnte er die geolog. Landesaufnahme Tirols abschließen. Hier machte S. bedeutende Fossilfunde und gewann neue Erkenntnisse über den tekton. Aufbau der Ostalpen. 1885 rangältester Chefgeologe mit dem Titel Vizedir., erfolgte 1892 seine Ernennung zum Dir. der Geolog. Reichsanstalt. Als solcher forcierte er die Neugestaltung des Mus. und sah in der Hrsg. der geolog. Spezialkarte der Monarchie 1:75.000, die erst nach dem 1. Weltkrieg vollendet wurde, seine wichtigste Aufgabe. 1902 i. R., setzte er seine geolog. Forschungen in den Südalpen fort und beschäftigte sich mit den Paläofaunen und floren. S. war fast in der gesamten Monarchie als Aufnahmegeologe, aber auch petrograph. und paläontolog. tätig. Schwerpunkte seiner Forschungen waren das Paläozoikum, die Kreidezeit und das Alttertiär der südwestl. Tle. der Monarchie einschließl. deren Paläofaunen. Er erkannte die Bedeutung der Liburn. Stufe für die geolog. Geschichte der Karstländer. Unter S.s Leitung entstand 1898 ein einheitl. Farben- und Legendenschema für die geolog. Spezialkarte 1:75.000. Darüber hinaus befaßte er sich mit Problemen der angewandten Geol., bearb. Aufsmlgg. von österr. Expeditionen und verf. über 160 Publ. inklusive geolog. Karten. Er erhielt u. a. 1891 den Orden der Eisernen Krone III. Kl. und war Ehrenmitgl. u. a. der Ung. Geolog. Ges., des Francisco Carolinums in Linz, k. M. der Isis und Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina (1885). 1896 HR.

W. (auch s. u. Kerner-Marilaun): Geolog. Übersichts-Karte der Küstenländer von Oesterr.-Ungarn und der angrenzenden Gebiete von Krain, Stmk. u. Kroatien … 1:1,008.000 …, 1878; Übersicht der geolog. Verhältnisse der Küstenländer von Österr.-Ungarn (geolog. Karte), 1889; etc.
L.: Poggendorff 3, 4; SBL; Wurzbach; F. Kerner-Marilaun, in: Jb. der Geolog. Staatsanstalt 71, 1921, S. 85ff. (m. B. u. W.); E. Tietze, in: Verhh. der Geolog. Staatsanstalt, 1921, S. 59ff.; F. Schafarzik, in: Földtani Közlöny 54, 1924, S. 13ff.; I. A. Maxim, in: Studia Univ. Babęs – Bolyai, ser. geologica-geographia, 1964, S. 57ff.; ders., in: Revue roumaine de géologie, géophysique, géographie 12, 1968, S. 113ff.; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae (= Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; W. A. S. Sarjeant, Geologists and the History of Geol. 3, 1980; H.-B. Hubert, Matthesiana 58, 1992, S. 26ff. (m. B.); Enc. Slovenije 12, 1998; F. Forti, Alpie Giulie 94, 2000, S. 15ff.; Biograph. Enz. dt.sprachiger Naturwiss. 2, ed. D. v. Engelhardt, 2003; R. Pavlovec, Krajevna imena v raszpravi G. S. izpred poldrugega stoletja, Bistriški zapisi 6, 2005, S. 50ff. (m. B.); ders., in: Annals for Istrian and Mediterranean Studies, ser. historia naturalis 15, 2005, S. 131ff. (m. B.); ders., in: 2nd scientific Symposium on the natural history research of the Rijeka Region, 2006; Archiv der Geolog. Bundesanstalt, Wien; Mitt. Sascha Nolden, Auckland, Neuseeland.
(T. Cernajsek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 66
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