Stadler, Toni (Anton Hermann) von (1850–1917), Maler und Graphiker

Stadler Toni (Anton Hermann) von, Maler und Graphiker. Geb. Göllersdorf (NÖ), 9. 7. 1850; gest. München, Bayern (Dtld.), 17. 9. 1917; röm.-kath. Sohn eines Wirtschaftsrats, Stiefbruder von W. Scherer (s. d.), Vater des Bildhauers Toni S. (geb. München, 5. 9. 1888; gest. ebd., 5. 4. 1982). S. stud. nach der Matura am Josefstädter Gymn. 1868–73 (mit Unterbrechung 1870/71) an der Univ. Wien Med., brach das Stud. aber – auch aus Gesundheitsgründen – ab und wechselte zu dem Maler Paul Meyerheim nach Berlin, 1878 nach München. Hier wurde der Autodidakt S., der sich auch an holländ. Malern des 17. Jh. orientierte, von Louis Neubert, Gustav Schönleber und v. a. von Adolf Stäbli beeinflußt, der die unmittelbarste Wirkung auf S.s Motivwahl und Darstellungsart ausübte und ihn mit der Schule von Barbizon vertraut machte. S., der allerdings nie pleinair malte, sondern die nach der Natur gezeichneten Skizzen im Atelier ausführte, wollte im Gegensatz zum Impressionismus nicht den momentanen Stimmungseindruck der Landschaft einfangen, sondern ihren Wesenskern; Tiere und Menschen finden sich nur als Staffagen in seinen Bildern. Bes. geschätzt wurden seine Zeichnungen und Lithographien, die als der qualitätvollste Tl. seines Œuvres gelten. S. entwickelte sich v. a. zum Maler des Voralpenlandes, wobei er häufig mit eindrucksvollen Wolkenformationen, die den Eindruck von Weite vermittelten, Spannung erzeugte. Seine stillen, meditativen Bilder in gedämpfter, oft toniger Farbigkeit stehen im Kontrast zu den um die Jh.wende aufkommenden modernen Kunstströmungen mit ihrem Primat der Farbe. S. gehörte 1893 zu den Gründungsmitgl. der Münchner Secession; 1913–14 fungierte er – nach dem plötzl. Tod Hugo v. Tschudis – als interimist. kommissar. Leiter („künstlerischer Beirat“) der Bayer. Staatsgemäldesmlgg. S., Ehrenmitgl. der Münchner ABK und ab 1876 o. Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus), wurde für seine Verdienste vielfach ausgez., u. a. 1899 Prof.titel, 1914 Erhebung in den Ritterstand.

W.: s. u. H. Wichmann.
L.: Münchner Neueste Nachrichten, 9. 9. 1910, 22. 10. 1914, 20., 23. 9. 1917; WZ, 19., RP, 20. (Nachmittagsausg.) 9. 1917; Bénézit; DBE; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Geistiges und künstler. München in Selbstbiographien, ed. W. Zils, 1913; Die Kunst 19, 1918, S. 68 (m. B.), 225ff.; Kunst und Künstler 16, 1918, S. 74; R. Oldenbourg, in: Die bildenden Künste 2, 1919, S. 15ff.; P. F. Schmidt, in: Dt. Biograph. Jb., Überleitungsbd. 2, 1928, S. 156ff.; H. Wichmann, T. S., phil. Diss. München, 1955 (m. W.); H. Karlinger, München und die Kunst des 19. Jh., ed. H. Thoma, 1966, S. 77; H. Ludwig u. a., Münchner Maler im 19. Jh. 4, 1983; Lex. der Kunst 11, 1990; S. Wichmann, Münchner Maler des 19. Jh. und die Schule von Barbizon, München 1996 (Kat.); Kunst des 19. Jh. 4, bearb. C. Wöhrer, 2000; W. Scherer – Briefe und Dokumente aus den Jahren 1853–86, ed. M. Nottscheid – H.-H. Müller, 2005, passim; UA, Wien.
(E. Chrambach)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 76
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