Stand, Adolf (1870–1919), Politiker und Journalist

Stand Adolf, Politiker und Journalist. Geb. Lemberg, Galizien (L’viv, Ukraine), 21. 5. 1870; gest. Wien, 20. 12. 1919; mos. Sohn eines Hausbesitzers. S. absolv. das Gymn. in Lemberg und stud. ab 1889 an der dortigen Univ. Jus. Er schloß sich bereits als Student der zionist. Bewegung an und war Vorstandsmitgl. des Lemberger Ver. Zion, aus dem eine Reihe bedeutender galiz. Zionisten hervorging. S. war einer der wesentl. Exponenten der bes. in Galizien verankerten nationaljüd. Bewegung und 1893 Mitbegründer sowie ab 1894 Vorstandsmitgl. der jüd.-nationalen Partei Galiziens. Er sprach sich wiederholt für eine „Landespolitik“ aus, die in Konkurrenz zu der von den Wr. Zionisten vertretenen „Kolonisationspolitik“ stand. Zu seinen zionist. Aktivitäten zählte auch seine Funktion als Hrsg. der poln.sprachigen Z. „Przyszłość“ und später des ebenfalls auf poln. erscheinenden zionist. Jb. „Rocnik Żydowsky“. Daneben publ. er in verschiedenen Medien, u. a. auch gem. mit Intellektuellen wie Martin Buber und N. Birnbaum (s. d.). Mit dem Auftritt von Th. Herzl (s. d.) auf der zionist. Bühne wurde die Kluft zwischen Kolonial- und Landespolitik zu überbrücken versucht. S. wurde ein Anhänger und Unterstützer Herzls, wandte sich aber in der „Uganda-Frage“ gegen eine Kolonisation in Ostafrika. Er wurde 1907 in den RR gewählt, dem er bis 1911 angehörte, und bildete dort mit drei weiteren jüd. Abg. den Jüd. Klub, konnte jedoch die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. 1909–18 war S. Präs. des Zentral-Komitees der galiz. Zionisten. Ferner fungierte er als Verwaltungsrat der jüd. Volksbank Kredit-Union und wurde 1910 Vorstandsmitgl. des Jüd. Nationalver. 1914 mußte S. infolge der Kriegswirren nach Wien fliehen. Obwohl er dort noch in verschiedenen zionist. Funktionen, u. a. als Vizepräs. des 1915 gegr. gesamtösterr. zionist. Exekutivkomitees sowie ab 1918 als Präs. des Nationalrats für Ostgalizien, tätig war, hatte er bereits viel von seiner ursprüngl. Popularität eingebüßt.

L.: Wr. Morgenztg., 21., 23. 12. 1919; Jüd. Volksstimme, 1. 1. 1920; Enc. Jud. (m. B.); Freund, 1907 (m. B.); PSB; Wininger; Dr. Bloch’s WS 37, 1920, Nr. 1, S. 10; Z. F. Finkelstein, Stürmer des Ghetto, 1924, S. 73ff. (m. B.); J. Fraenkel, The Jews of Austria, 1967, s. Reg.; A. Gaisbauer, Davidstern und Doppeladler (= Veröff. der Komm. für Neuere Geschichte Österr. 78), 1988, s. Reg., bes. S. 507; H. Binder, Polen, Ruthenen, Juden. Politik und Politiker in Galizien 1897–1918, 2, phil. Diss. Bern, 1997, S. 222; ders., Galizien in Wien (= Stud. zur Geschichte der österr.-ung. Monarchie 29), 2005, s. Reg.
(K. Hödl – Ch. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 87f.
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