Staněk, Jan (Johann); Ps. Bohdan (1828–1868), Chemiker und Pädagoge

Staněk Jan (Johann), Ps. Bohdan S., Chemiker und Pädagoge. Geb. Pořič, Böhmen (Poříčí nad Sázavou, Tschechien), 27. 5. 1828; gest. Podol, Böhmen (Praha, Tschechien), 23. 5. 1868. Sohn eines Pächters. Nach Absolv. des Altstädter Gymn. in Prag stud. S. 1845–50 Chemie am dortigen polytechn. Inst. und besuchte außerdem Vorlesungen an der jurid. Fak., jedoch ohne Abschluß. I. d. F. setzte er sein Chemiestud. in Dtld., Belgien und v. a. in Paris fort, wo er Vorlesungen des berühmten Arztes und Chemieexperten Charles Adolphe Wurtz an der École de médecine hörte. Nach Prag zurückgekehrt, lehrte er zunächst als Supplent und ab 1857 als Prof. für Chemie an der tschech. Realschule. 1860 bewarb er sich um die Dozentur für Chemie am Prager polytechn. Inst. und wurde 1861 auch zum Kolloquium für allg. Chemie und chem. Technol. zugelassen. Da es damals allerdings noch keine Vorlesungen in tschech. Sprache gab und auch kein eigenes Labor vorhanden war, wurde S. erst 1864 zum ersten Prof. für allg. Chemie und chem. Technol. mit tschech. Unterrichtssprache am Prager polytechn. Inst. ernannt. Seine Vorlesungen umfaßten allg. Chemie, chem. Technol., chem. Technol. der Eisenproduktion und Metallurgie. Sein wiss. Werk „Chemie všeobecná“ galt damals als wichtiges Lehrbuch, sein Ms. über Chemiegeschichte und analyt. Chemie „Dějiny chemie a analytická lučba“ blieb unvollendet. S. war Mitgl. der Heimat- und Wirtschaftsges. und nahm auch am polit. Geschehen aktiv teil. 1861 wurde er in den böhm. LT gewählt und später auch zum RRabg. Nach dem Austritt der tschech. Abg. aus dem Parlament 1863 red. S. das polit. Bl. „Pozor“.

W.: Básně, 1851; Chemie všeobecná 1, 1858, 2. Ausg. 1863, 2, 1860, 2. Ausg. 1863; etc.
L.: Otto; Rieger; Wurzbach; A. V. Velflík, Dějiny technického učení v Praze 1, 1906, S. 379, 383, 388; V. Matula, Boj o tajemství hmoty, 1938, S. 190; Dějiny exaktních věd v českých zemích, 1961, S. 200, 412; V. Matula, in: Zprávy Dějiny věd a techniky, 1965, Nr. 2, S. 54; Malá československá enc. 5, 1987; Malý slovník biografií 3, 1990; Státní oblastní archiv, Státní ústřední archiv, beide Praha, Vysoké učení technické Brno, Brno, alle Tschechien.
(J. Brabencová – J. Masnerová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 90
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