Starčević, Ante (1823–1896), Politiker und Schriftsteller

Starčević Ante, Politiker und Schriftsteller. Geb. Žitnik (Veliki Žitnik, Kroatien), 23. 5. 1823; gest. Agram (Zagreb, Kroatien), 28. 2. 1896. Onkel von David und Mile S. (beide s. u.). Nach Gymn.besuch in Agram stud. S. 1843–45 Phil. an der dortigen Akad. der Wiss. und wurde Anhänger des nach Gleichberechtigung der Kroaten im Kg.reich Ungarn strebenden Illyrismus. Anschließend stud. er 1846–48 Theol. sowie hist.-philolog. Fächer an der Univ. Pest (1846 Dr. phil.). I. d. F. rückte S. vom illyr. Gedankengut ab, propagierte eine kroat. Ideol. und wandte sich gegen die von Karadžić (s. d.) vertretene moderne serb.-kroat. Schriftsprache. 1861–62 fungierte S. als Obernotar der Fiumer Gespanschaft und entwickelte daneben ein hist.-staatsrechtl. Programm zur Neuregelung der staatsrechtl. Beziehungen Kroatiens mit Österr. und Ungarn. Im 1861 einberufenen kroat. LT (Sabor) wollten S. und E. Kvaternik (s. d.) als Gründer der kleinbürgerl. kroat. Rechtspartei Hrvatska stranka prava keine rechtl. Verbindung mit Ungarn oder Österr. anerkennen. Nach einer kurzen Haft wegen aufrührer. Reden (1863) wurde S. 1865 wieder in den Sabor gewählt und bekämpfte die Nationalpartei Narodna Stranka mit ihrem austroslaw. Programm sowie die Anerkennung der Serben als Nation auch mit publizist. Mitteln. Nach dem mißglückten Aufstandsversuch Kvaterniks 1871 und neuerl. kurzer Haft trat S. erst wieder 1876 im Zusammenhang mit dem Aufstand in Bosnien und der Herzegowina mit der Forderung einer Autonomie für die dortige südslaw. Bevölkerung an die Öffentlichkeit. Hatte S. vor 1870 auf die Unterstützung Frankreichs zur Realisierung seiner großkroat. Ziele gehofft, so wandte er sich 1877/78 dem im russ.-türk. Krieg siegreichen Rußland zu, was zur Modifizierung seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Slawismus führte. 1878 wurde S. nach einer Neukonstituierung der Rechtsbewegung in den Sabor gewählt, doch führte eine scharfe Opposition gegen den rigoros durchgreifenden Banus Khuen-Héderváry (s. d.) 1887 zur völligen Niederlage seiner Partei, in der nun Josip Frank (s. d.), der die kroat. Frage mit Hilfe Wiens – also im Widerspruch zu S.’ früheren Konzepten – lösen wollte, die Führung übernahm. 1895 spaltete sich die Reine Rechtspartei Čista stranka prava – mit S.’ Unterstützung – unter Franks Führung von der Rechtspartei ab. Obwohl zu ihrer Zeit nicht erfolgreich, schuf S.’ Ideol. aus hist. Sicht die Basis für eine nationale Integration. Schon früh literar. und journalist. tätig, verf. S. mehrere Dramen, aber auch Kritiken, Rezensionen und satir. Artikel. Eine wichtige Rolle innerhalb der Rechtspartei spielte sein äußerst eloquenter und auch von den Gegnern geachteter Neffe David S. (geb. Žitnik, 1840; gest. Jastrebarsko, Kroatien, 18. 11. 1908). Dieser wurde nach dem Rechtsstud. an den Univ. Graz und Pest (Dr. jur. 1870) und anschließender Tätigkeit als Supplent am Agramer Gymn. 1871 im Rahmen des Kvaternik-Aufstands verhaftet. 1881 errichtete er eine Anwaltskanzlei in Jastrebarsko und wurde Mitte der 80er Jahre in den Sabor gewählt. Nach einer neuerl., auf Intrigen beruhenden Verhaftung und Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis (1887) war er ab 1896 erneut LT-Abg. Bei der Spaltung der Rechtspartei zählte er anfängl. zu den Gegnern Franks, näherte sich aber dann wieder dessen polit. Linie, um sich bald darauf aus dem polit. Leben zurückzuziehen. Ein weiterer Neffe S.’, Mile S. (geb. Žitnik, 28. 9. 1862; gest. Agram, 10. 3. 1917), stud. Jus in Agram, wurde 1892 als Mitgl. der Rechtspartei in den Sabor gewählt und erwies sich dort vorerst als Anhänger der Konzeption Franks. In der Reinen Rechtspartei sicherte er sich wie sein Onkel, der in ihm auch seinen polit. Erben sah, eine führende Position. I. d. F. konnte Mile S. jedoch sein Ziel eines selbständigen Kroatien nicht durchsetzen. 1908 kam es zwischen ihm und Frank, der den absolutist. Kurs des Banus P. Rauch (s. d.) unterstützte, zum Bruch. Mile S. gründete die Starčevićeva Stranka prava, die Ante S.’ Ideol. in abgeschwächter Form vertrat und im 1. Weltkrieg eine südslaw. Staatengemeinschaft anstrebte. Allerdings konnte sich Mile S. aus gesundheitl. Gründen an den Parteiaktivitäten kaum mehr beteiligen.

W.: Djela, 3 Bde., 1893–94; Izabrani spisi, 1943; Poltički spisi, 1943; Misli i pogledi, 1971; Književna djela, 1995; Govori, 1996ff.; etc.
L.: Biograph. Lex. Südosteuropas; Enc. Jug. (m. B. u. L.); Wurzbach; Znam. Hrv. (m. B.); Narodna enc. srpsko-hrvatsko-slovenačka 4, 1929; A. Cezarec, Kriza stranka prava i naši „komunari“ 1871, 1951; A. Flaker, in: Historijski Zbornik 7, 1954, S. 85ff.; V. Bogdanov, Historija političkih stranaka u Hrvatskoj od prvih stranačkih grupiranja do 1918, 1958; V. Oštrić, in: Časopis za suvremenu povijest 4, 1972, S. 201ff. (m. L.); M. Gross, ebd., S. 25ff.; dies., Povijest pravaške ideologije, 1973, s. Reg.; W. D. Behschnitt, Nationalismus bei Serben und Kroaten 1830–1914, 1976, s. Reg.; M. Artuković, Ideologija srpsko-hrvatskih sporova, srbobran 1884–1902, 1991; M. Gross, Die Anfänge des modernen Kroatien (= A. Gindely-R. zur Geschichte der Donaumonarchie und Mitteleuropas 1), 1993, s. Reg.; I. Frangeš, Geschichte der kroat. Literatur, 1995, S. 892f. (m. W. u. L.); H. Matković, Suvremena politička povijest Hrvatske, 1995, S. 14ff.; I. Strižić, Hrvatski portreti, 2. Aufl. 1996, S. 7ff.; A. S. i njegovo djelo, ed. D. Jelčić – T. Sabljak, 1997. – David S.: Enc. Jug.; Wurzbach (s. u. Anton S.); Znam. Hrv. (m. B.). – Mile S.: NFP, 11. 3. 1917; Biograph. Lex. Südosteuropas; Enc. Jug.; Znam. Hrv.; Narodna enc. srpsko-hrvatsko-slovenačka 4, 1929; J. Horvat, Politička povijest Hrvatske, 1936; Povijest hrvatskog naroda 1860–1914, 1968; M. Gross, Povijest pravaške ideologije, 1973, s. Reg. (m. B.).
(M. Stoy)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 99f.
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