Stark, Franz Anton (1818–1880), Germanist und Bibliothekar

Stark Franz Anton, Germanist und Bibliothekar. Geb. Krumau, Böhmen (Český Krumlov, Tschechien), 17. 1. 1818; gest. Wien, 27. 3. 1880; röm.-kath. Unehel. Sohn der Tochter eines Tuchmachergesellen. Nach Absolv. des Gymn. in Budweis (České Budĕjovice) stud. S. ab 1839 zwei Jahre Jus an der Univ. Wien, danach betätigte er sich – ab 1844 in Lemberg (L’viv) – als Privatlehrer. 1848 nach Krumau zurückgekehrt, wurde er dort zum Abg. in die dt. Nationalversmlg. gewählt, von Jänner bis Juni 1849 gehörte er als fraktionsloser Mandatar, der mit der Linken stimmte, dem Frankfurter Paulskirchen- und dem Stuttgarter Rumpfparlament an. Die folgenden Jahre erschloß sich S. in Frankfurt am Main im Privatstud. die altgerman. Sprachen und stud. ab Herbst 1855 an der Berliner Univ. dt. Philol., Sanskrit und Indogermanistik, 1856 Dr. phil. der Univ. Heidelberg. Ab 1857 wieder in Österr., konnte S. 1858 zwar in den Bibl.dienst eintreten (Amanuensis an der Univ.bibl. Wien, 1860 Skriptor an der Univ.bibl. Graz, 1861 Skriptor, ab 1866 Kustos an der Bibl. des polytechn. Inst. in Wien), sich aber aufgrund seiner polit. Vergangenheit erst 1859 in Wien bei F. Pfeiffer (s. d.) für dt. Sprache und Literatur habil. 1860 erhielt er die Lehrbefugnis an der Univ. Graz, 1862 am polytechn. Inst. in Wien. Seine Vorlesungen an der Wr. Univ. (1862) und am polytechn. Inst. (1862–66) blieben auf die dt. Literaturgeschichte des 18. und 19. Jh. beschränkt. 1877 setzte eine schwere Erkrankung ein, die zur Arbeitsunfähigkeit führte, ab 1879 i. R. Er starb in der nö. Landesirrenanstalt in Wien. S., der von Jacob Grimm sehr geschätzt wurde, hat sich als einer der ersten Germanisten bleibende Verdienste um die Erforschung der german. Personennamen erworben. Dank seiner Kenntnisse in der vergleichenden Sprachwiss. konnte er sich auch dem Stud. mittelalterl. kelt. Anthroponyme widmen.

W.: Beitrr. zur Kde. german. Personennamen, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl. 23, 1857; Die Kosenamen der Germanen, 2 Tle., ebd. 52, 1866, 53, 1867, überarb. Neuausg. 1868, Nachdruck 1967, 1993; Kelt. Forschungen, 3 Tle., ebd. 59, 1868, 61, 1869, 62, 1869; Beitrr. in Germania 2–13, 1857–68; etc. – Ed.: Dietrich’s erste Ausfahrt (= Bibl. des literar. Ver. in Stuttgart 52), 1860.
L.: H. Fuchs, Zur Geschichte der germanist. Lehrkanzel von ihrer Gründung im Jahre 1850 bis zum Jahre 1912, phil. Diss. Wien, 1967, S. 37f.; E. Leitner, Die neuere dt. Philol. an der Univ. Graz 1851–1954 (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 1), 1973, s. Reg.; Beitrr. und Materialien zur Geschichte der Wiss. in Österr., ed. W. Höflechner (= ebd. 11), 1981, s. Reg.; Vom Seminar für dt. Philol. Univ. Graz zum Inst. für Germanistik Karl-Franzens-Univ. Graz, ed. B. Müller-Kampel – R. Müller, Graz 1994 (Kat.); H. Best – W. Weege, Biograph. Hdb. der Abg. der Frankfurter Nationalversmlg. 1848/49 (= Hdbb. zur Geschichte des Parlamentarismus und der polit. Parteien 8), 1996; Briefwechsel der Brüder J. und W. Grimm 2, 2002, s. Reg.; Archiv der TU, UA, WStLA, alle Wien; Státní oblastní archiv, Třeboň, Tschechien; UA, Heidelberg, Dtld.
(M. Gebhardt)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 106
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