Staudigl, Oskar Wilhelm; Ps. Faust Friesen (1861–1943), Schriftsteller, Journalist und Lehrer

Staudigl Oskar Wilhelm, Ps. Faust Friesen, Schriftsteller, Journalist und Lehrer. Geb. Wien, 6. 9. 1861; gest. ebd., 2. 8. 1943. Sohn eines Fabrikanten. Nach der Realschule absolv. S. in Wr. Neustadt und St. Pölten die Lehrerbildungsanstalt und war ab 1880 im Lehrberuf tätig. Viele Jahre Turnleiter an Volks- und Bürgerschulen, übte er daneben seine Lehrtätigkeit an berufsbildenden Schulen und als Leiter eines Lehrlingshorts, ab 1920 als Dir. einer Hotelfachschule aus. Er engagierte sich im Ersten Wr. Turnver., als Vorturner der Dt. Turnerschaft und als Turnwart der Turnlehrerverbindung. Als Mitbegründer der Turnkneipe Friesen im Wr. Turnver. hielt er dort dt.nationale Vorträge und betrieb die Entfernung jüd. Mitgl. aus dem Ver. S. war Chefred. von „Der Schulleiter“ und Feuilletonred. im „Freien Deutschen Volksblatt“ des dt.-österr. Lehrerbunds, verf. Beitrr. für die Ztg. „Ostdeutsche Rundschau“, „Znaimer Tagblatt“, „Deutsches Volksblatt“, „Österreichische Volkszeitung“ etc. sowie für verschiedene Jugendz. Seine schriftsteller. Anfänge im Bereich der Jugendliteratur reichen in die 1890er Jahren zurück („Die Schatzgräber“, 1894, „Blumen und Blüten“, 1897, etc.), darüber hinaus trat er als Verf. zahlreicher Dramen (u. a. „Auf fremder Erde“, 1915, „Das Liebeslied“, o. J.) und Singspiele (wie „Der Wolf und die sieben Geißlein“, 1923, oder „Schuberts Heimkehr“, 1928) hervor. Eine beträchtl. Anzahl seiner Werke ist jedoch bibliograph. nicht nachweisbar. Auf lokaler Ebene machte sich S. einen Namen als Vortragskünstler und als Autor von Mundartged. (u. a. „Aus da Hoamat“, 1913, „Bevor i’ geh“, 1918). S. setzte vielfältige Aktivitäten im Wr. Ver.leben, u. a. als Obmann des Dt. Schriftstellerverbands, Landesgruppe Österr. (ab 1934 Dt. Schriftsteller- und Journalistenverband Österr.), und als Obmann-Stellv. der literar. Vereinigung Ostarrichi, der auch K. Schönherr (s. d.), Franz Karl Ginzkey und Felix Dahn (als Ehrenmitgl.) angehörten. Für den Bund der Nestroyfreunde zeichnete S. 1929 als Vors. des Denkmal-Ausschusses für die Errichtung des Nestroydenkmals in Wien 2 verantwortl. Ab 1941 fungierte S. als ehrenamtl. Mitarb. des Wr. Gaupropagandaamts.

W.: s. u. Kosch.
L.: Czeike; Jb. der Wr. Ges.; Kosch (m. W.); Kosel 1; Wer ist’s?, 1912ff.; Die geistige Elite Österr., red. M. Klang, 1936; Standesbuch österr. Schriftsteller und Schriftstellerinnen, ed. E. Hutschenreiter, 1937; Wiss. und Kunst in der dt. Ostmark, 1938, S. 1224 (m. B.); Forschungsstelle Österr. Literatur im Nationalsozialismus, UA, Graz, Stmk.
(K. Gradwohl-Schlacher)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 120f.
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