Stauf(f)er, Johann Georg (1778–1853), Instrumentenbauer

Stauf(f)er Johann Georg, Instrumentenbauer. Geb. Wien, 26. 1. 1778; gest. ebd., 24. 1. 1853. Sohn eines Trägers. Vater von Johann Anton S. (s. u.). S. erlernte ursprüngl. das Tischlerhandwerk, als Geigenbauer soll er Schüler von Franz Geissenhof gewesen sein. 1800 übernahm er das Geschäft von Ignaz Christian Partl, war ab 1811 Vorsteher der Geigenmacherinnung und 1830–36 auch als Musikverleger tätig. Er wandte sich in diesen Jahren mehr und mehr seinen Erfindungen zu, was vermutl. den Grund für seine beginnenden finanziellen Probleme darstellt. 1831/32 kam er verarmt in den Schuldenarrest, 1832 erfolgte die Pfändung. Obwohl er 1833 zum ersten Mal sein Gewerbe anheim sagte, arbeitete er zunächst weiter, übergab allerdings 1836 das Geschäft seinem Sohn. Ab 1843 hielten sich beide für kurze Zeit in Kaschau auf, 1845 fand S. Aufnahme im Bürgerversorgungshaus St. Marx (Wien 3). 1848 legte er sein Geschäft zum zweiten Mal zurück. S. wurde bereits zu Lebzeiten als der wohl beste Wr. Gitarrenbauer angesehen, ein Ruf, der sich bis heute erhalten hat. Er arbeitete nach verschiedenen, unterschiedl. großen Modellen, häufig nach Luigi Legnani. Ab 1820 rückten allerdings der Geigenbau sowie die Erfindungen in anderen Sparten des Instrumentenbaus in den Mittelpunkt seines Interesses. Bei den Geigen bevorzugte er große flache Modelle mit entsprechend kräftigem Klang. Allerdings wird seinen Instrumenten keine bes. Klangschönheit attestiert und der zwar opt. schöne, helle, aber spröde Lack kritisiert. Ab 1827 baute er auch Streichinstrumente mit eckenlosem Klangkörper nach dem Chanot-Modell. Von S.s Erfindungen hat nur die Stimmmechanik für Gitarren bleibenden Wert. Sein „Arpeggione“, ein Streichinstrument von der Größe eines Violoncellos mit Konstruktionsmerkmalen der Gitarre, blieb dank der gleichnamigen Sonate von Schubert (s. d.) wenigstens dem Namen nach ein Begriff. Von seinem Sohn und Schüler Johann Anton S. (geb. Wien, ca. 1806; gest. nach 1843) sind vornehml. Gitarren bekannt, wobei das Niveau dem seines Vaters entspricht. Auch Kontragitarren mit bis zu sieben zusätzl. Baßsaiten sind aus seiner Werkstätte erhalten.

L.: oeml (s. u. Arpeggione); C. W. Jaura, in: Musikpädagog. Z. 16, 1926, Nr. 2, S. 35; H. Haupt, Wr. Instrumentenbau um 1800, phil. Diss. Wien, 1952, S. 114f., Anhang S. 54ff.; ders., in: Stud. zur Musikwiss. 24, 1960, S. 176f.; W. L. v. Lütgendorff, Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart 2, 1975, S. 482f., Erg.bd. v. Th. Drescher, 1990, S. 583; F. Prochart, Der Wr. Geigenbau im 19. und 20. Jh. (= Wr. Veröff. zur Musikwiss. 16), 1979, S. 152ff.; W. Hamma, Geigenbauer der Dt. Schule des 17. bis 19. Jh., 1986, S. 355ff.; E. Fontana Gát, Teufelsdorfer contra S., 1991; P. Clive, Schubert and his World. A Biographical Dictionary, 1997; R. Hopfner, Wr. Musikinstrumentenmacher 1766–1900, 1999 (m. L.); Schubert-Enz., ed. E. Hilmar – M. Jestremski 1, 2004 (s. u. Arpeggione).
(R. Hopfner)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 122f.
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