Steczkowski, Jan Kanty (1800–1881), Mathematiker

Steczkowski Jan Kanty, Mathematiker und Astronom. Geb. Liszki, Galizien (Polen), 20. 10. 1800; gest. Krakau, Galizien (Kraków, Polen), 16. 10. 1881. Sohn eines Gutsarbeiters. Nach Absolv. der Pfarrschule in Liszki, der Benediktinerschule in Tyniec und des Gymn. in Krakau stud. S. ab 1821 Mathematik, Physik, Chemie, Mineral., Biol., Astronomie und höhere Mechanik an der Jagiellonen-Univ. Privat bildete er sich in Latein, Griech., Französ. und Dt. weiter und verdiente seinen Lebensunterhalt als Nachhilfelehrer; 1828 Dr. phil. Bereits während des Stud. als Gehilfe unter der Leitung von Maksymilian Weisse am astronom. Observatorium der Jagiellonen-Univ. tätig, wurde er 1826 Adjunktvertreter, 1828 Adjunkt. S. nahm an den von Weisse 1825 begonnenen astronom. Beobachtungen teil, welche die Beschreibung der Positionen von 60.000 Sternen zur Folge hatten. Nach der Reorganisation der Jagiellonen-Univ. 1833 samt der Anbindung des Lehrstuhls für Höhere Mathematik an jenen für Astronomie wurde S. Adjunkt dieses Lehrstuhls. Er unterrichtete Differenzialrechnung und setzte seine astronom. und meteorolog. Beobachtungen fort. So legte S. Berechnungen über Veränderungen des barometr. Durchschnitts, über die Lage Krakaus bezügl. seiner Seehöhe sowie solche zur geograph. Längen- und Breitenbestimmung vor. 1842 übernahm S. den Lehrstuhl für Elementarmathematik. Von da an veröff. er hist. Arbeiten über Mathematik sowie Mathematiker-Biographien. 1851–59 gab S. sein fünfteiliges Hauptwerk „Elementarny wykład matematyki“ heraus; handschriftl. Ergänzungen befinden sich heute in der Bibl. der Jagiellonen-Univ. Diese Lehrbücher waren sowohl für Schüler höherer Gymn.klassen als auch für Mathematik- und Physikstudenten bestimmt und basierten auf namhaften dt. und französ. Lehrbüchern. 1861 gelang S. erstmalig der Beweis für eine von zwei Möglichkeiten, Tangenten an schiefe Kegel von einem Punkt außerhalb der Krümmung heranzuführen. Seine Erkenntnisse publ. er auch in „Astronomische Nachrichten“, „Archiv der Mathematik und Physik“, „Czas“ und „Dziennik Poznański“. Zu seinen Schülern zählten u. a. Kowalczyk (s. d.) sowie der Mathematiker Władysław Zajączkowski. Ab 1863 i. R., wurde S., der bereits 1830 der Towarzystwo Naukowe Krakowskie beigetreten war, 1872 Mitgl. der Akad. Umiejětności. Er publ. weiterhin, v. a. populärwiss. astronom. Arbeiten. Als handschriftl. Ergebnis seiner Arbeit an einer poln. astronom. Terminol. blieb das Wörterbuch „Słowniczek astronomiczny“ erhalten.

W.: s. u. PSB.
L.: PSB (m. W. u. L.); Wurzbach.
(P. Benesz)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 129
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