Stefan (Štefan), Christian (Kristian); Ps. (J.) B. Kranz, J. B. Krána, K(ristian) Jičínský, (K.) Věnecky etc. (1819–1892), Schriftsteller, Politiker und Lehrer

Stefan (Štefan) Christian (Kristian), Ps. (J.) B. Kranz, J. B. Krána, K(ristian) Jičínský, (K.) Věnecký etc., Schriftsteller, Politiker und Lehrer. Geb. Jitschin, Böhmen (Jičin, Tschechien), 6. 12. 1819; gest. Königgrätz, Böhmen (Hradec Králové, Tschechien), 16. 1. 1892; röm.-kath. Aus ärml. Verhältnissen stammend. S. absolv. das Gymn. in seiner Heimatstadt und belegte 1837–38 die phil. Jgg. an der Univ. Prag, wo er 1838 ein Med.stud. begann, dieses jedoch 1841 aus finanziellen Gründen abbrach. Daneben eignete er sich profunde Sprachkenntnisse an. Er wirkte als Privatlehrer (später erhielt er die Approbation für Gymn.) und gründete 1845 in Prag-Smichow eine Sonntagsschule. An den polit. Ereignissen von 1848 nahm er als Anhänger der radikal-demokrat. Partei, die sich aus Mitgl. des Ver. Repeal zusammensetzte, regen Anteil, wurde Korporal des bewaffneten Ver. Svornost und Mitbegründer und Sekr. des polit. Ver. Lípa slovanská. Seine Lehrtätigkeit begann S. 1849 als Supplent für klass. Philol. und Tschech. am Prager Neustädter Gymn., im selben Jahr wurde er nach Jungbunzlau (Mladá Boleslav) versetzt, 1850 wieder nach Prag, 1851 nach Königgrätz; 1857 Gymn.prof. S., der in diversen kultur- und volksbildner. Ver. wirkte, war ab Anfang der 1860er Jahre auch Stadtverordneter von Königgrätz, 1867–77 Abg. des böhm. LT und protestierte 1867/68 gem. mit anderen böhm. Abg. gegen den Wahlmodus in den RR, weswegen er 1868 seines Lehramts enthoben wurde, allerdings 1869 seine Lehrtätigkeit als Dir. der gemeindeeigenen Königgrätzer höheren Mädchenschule fortsetzen konnte. S. trat auch als Schriftsteller hervor und veröff. seine literar. Erstlinge (Liebesged. und kurze Erz.) in den späten 1830er und den 40er Jahren in den Z. „Česká včela“ und „Květy“, i. d. F. konzentrierte er sich auf Übers. aus dem Italien. (Pellico, s. d., Francesco Soave), Russ. (Gogol, Puškin), Serb. (Bogoboj Atanacković), Span. (Cervantes) und Latein. (Cornelius Nepos), die er tw. in Z. (u. a. „Lumír“), zumeist aber in Buchform veröff. Mit seinem polit. Engagement hängt S.s publizist. Tätigkeit in den Ztg. „Noviny Lípy slovanské“, „Pražský večerní list“ und „Tábor“ zusammen.

W.: s. u. Wurzbach.
L.: Lex. böhm. Länder; Lišková; Otto; Rieger; Wurzbach (m. W.); Světozor 17, 1883, S. 513, 522 (m. B.), 26, 1892, S. 120; Zlatá Praha 9, 1892, S. 120; Literární listy 13, 1892, S. 98; Krakonoš 14, 1892, Nr. 3; J. L. Turnovský, in: Osvěta 23, 1893, S. 173; F. Strejček, Jak se probouzela Mladá Boleslav, 1929, S. 91f.; J. Plch, Souhvězdí domova, 1960, S. 123; Lex. české literatury 4, red. L. Merhaut, 2008.
(V. Petrbok)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 131f.
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