Štefánik, Milan Rastislav (1880–1919), Politiker, Offizier und Astronom

Štefánik Milan Rastislav, Politiker, Offizier und Astronom. Geb. Kosariszkó, Ungarn (Košariská, Slowakei), 21. 7. 1880; gest. bei Ivánka, Tschechoslowakei (Ivanka pri Dunaji, Slowakei), 4. 5. 1919 (Unfall); evang. Sohn eines evang. Geistlichen. Š. stud. 1898–1900 Bauwesen, dann Astronomie und Mathematik an der Univ. Prag, danach ein Semester in Zürich. 1904 Dr. phil. in Prag. 1905 wurde Š. Ass. des Astrophysikers Pierre Jules Cesar Janssen in Meudon bei Paris. Er führte mehrfach Beobachtungen auf dem Mont Blanc durch und war 1908–09 stellv. Dir. der dortigen Sternwarte. Auch als Mitarb. des Bureau des Longitudes und des Bureau Central Météorologique führte er astronom. Beobachtungen u. a. auf Tahiti, der Insel Vauvau, in Rußland, Nordafrika, auf Malta, in Neuseeland und in Australien sowie in Brasilien durch. 1912 französ. Staatsbürger, errichtete er 1913 im Auftrag der französ. Regierung ein meteorolog. und radiotelegraph. Netz in Ecuador, wodurch er den Einfluß Frankreichs dort sicherte und dafür 1914 zum Ritter der französ. Ehrenlegion erhoben wurde. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs trat er als Flieger in die französ. Armee ein, wo er rasch avancierte: 1915 Lt., 1918 Obst. und Brig.gen. Š. kam an der französ., serb. und italien. Front zum Einsatz und baute 1916 ein meteorolog. Netz für das Militär auf. 1916 gründete er in Paris gem. mit Th. Masaryk (s. d.) und Edvard Beneš, die er miteinander bekannt gemacht hatte, den tschech., später tschechoslowak. Nationalausschuß, der den neuen Staat Tschechoslowakei vorbereitete und nach dem Krieg dessen Regierung übernahm. Sowohl in den USA als auch unter den tschech. und slowak. Kriegsgefangenen in Rußland, Rumänien, Italien und Frankreich organisierte Š. tschechoslowak. Legionen, die gegen die Monarchie kämpften und nach 1918 wesentl. zur Entfernung der österr. und ung. Behörden aus dem Gebiet der Tschechoslowakei beitrugen. 1918–19 organisierte er – ab November 1918 als Kriegsminister der prov. tschechoslowak. Regierung – die Rückkehr der Legionäre aus Sibirien in die Heimat. Beeinflußt von Masaryk, war er polit. tschecho-slowak. liberal orientiert. Š., einer der drei Gründer der Tschechoslowakei, wurde nach seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz als slowak. Nationalheld verehrt und mythologisiert.

W. (auch s. u. Slovenský biografický slovník): D. Kováč u. a., Obrazopis sveta objektívom M. R. Š., 2004; astronom. Stud. in: Comptes rendus de l´Acad. des sciences; etc.
L.: Biograph. Lex. Südosteuropas; Enc. Slovenska (m. B.); Otto (m. W.); Otto, Erg.Bd.; J. Bodnár, Dr. M. R. Š., československý národný hrdina, 1921; L. Kühn, Buditelia v Župe Bratislavskej, 1928; S. Osuský, M. R. Š., 1929; Š., 2 Bde., 1938; Ľ. Holotík, Š. legenda a vznik ČSR, 1958; J. Juríček, M. R. Š. Životopisný náčrt, 1990; M. Vároš, Posledný let gen. Š., 1991; Slovenský biografický slovník 5, 1992 (m. W. u. L.); D. Kováč, M. R. Š., 1996; B. Ferenčuhová, M. R. Š., 1999; D. Kováč, in: Zeiten Wende Zeiten. Festgabe für R. G. Plaschka ..., ed. H. Haselsteiner u. a., 2000, S. 87ff.; E. K. Kautský, Kauza Š., 2004; Ottova všeobecná enc. v dvoch zväzkoch, 2005.
(I. Chalupecký)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 133f.
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