Stegmayer, Matthäus; eigentl. Matthias (1771–1820), Schauspieler, Schriftsteller, Komponist und Musikverleger

Stegmayer Matthäus (eigentl. Matthias), Schauspieler, Schriftsteller, Komponist und Musikverleger. Geb. Wien, 29. 4. 1771; gest. Wieden, NÖ (Wien), 10. 5. 1820; röm.-kath. Sohn eines Schneidermeisters, Vater von Ferdinand und Karl S. (beide s. d.). S. war zunächst Sängerknabe an der Wr. Dominikanerkirche und besuchte 1783–89 das Akadem. Gymn., trat jedoch in die Schauspielerges. von Johann Christian Kunz ein, mit der er nach Raab (Győr), Tyrnau (Trnava) und Temesvar (Timişoara) kam. Im Frühjahr 1790 wechselte er zur Truppe von Christof Ludwig Seipp, einer der besten ihrer Zeit. Bei dieser war S. spätestens ab 1792 auch als Komponist (Bühnenmusiken) tätig. Nach kurzem Engagement bei der Truppe von Georg Wilhelm d. Ä. kam er noch 1792 als munterer Liebhaber an das Wr. Theater in der Josefstadt. 1796 ans Wr. Freihaustheater Emanuel Schikaneders engag., war er als Schauspieler (kom. Nebenrollen), Bühnenschriftsteller und Komponist tätig und arbeitete dabei mit I. v. Seyfried und Henneberg (beide s. d.) zusammen. 1801 kam S. als Schauspieler ans Hofburgtheater, war jedoch auch weiterhin als Librettist für das Freihaustheater bzw. das Theater an der Wien tätig; 1815 Chordir. am Kärntnertortheater. Daneben leitete er 1816–20 den Hoftheater-Musikverlag, nachdem er bereits vor 1804 eine Notenleih- und Kopieranstalt gegr. hatte. Ab 1804 stand S. in Verbindung mit dem Mannheimer Nationaltheater, an dem zahlreiche seiner Stücke zur Auff. gelangten. Spätestens ab 1807 hatte er auch mit dem Weimarer Hoftheater und mit Goethe Kontakte. Sein mit Abstand bekanntestes Werk war das Quodlibet „Rochus Pumpernickel“ (Urauff. 1809 am Theater an der Wien), für das Seyfried und J. Haibel (s. d.) die Musik zusammengestellt hatten.

W. (auch s. u. Goedeke; Blizenetz; Bauer, Opern): 2 Messen; kleinere Kirchenmusik; Singspiele bzw. Operetten; Chöre; Arien; Bühnenmusiken; Märsche.
L.: Brümmer; Eitner; Goedeke, s. Reg.Bd.; Grove, 2. Aufl.; Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; oeml; Ulrich; Wurzbach; Allg. Wr. Musik-Ztg. 3, 1843, S. 173f.; J. F. Castelli, Memoiren meines Lebens 1–2, ed. J. Bindtner (= Denkwürdigkeiten aus Altösterr. 9–10), 1914, s. Reg.; F. Blizenetz, M. S., phil. Diss. Wien, 1928; O. Rommel, Die Alt-Wr. Volkskomödie …, 1952, s. Reg.; A. Bauer, 150 Jahre Theater a. d. Wien, 1952, s. Reg.; ders., Opern und Operetten in Wien (= Wr. musikwiss. Beitrr. 2), 1955, s. Reg.; A. Weinmann, Verzeichnis der Musikalien aus dem K. k. Hoftheater-Musik-Verlag (= Beitrr. zur Geschichte des Alt-Wr. Musikverlages 2/6), 1961, bes. S. 8f.; P. Tomek, Die Musik an den Wr. Vorstadttheatern 1776–1825, phil. Diss. Wien, 1989, s. Reg., bes. S. 127ff.
(Ch. Fastl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 140
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