Stehle (Stehle-Garbin), Adele (Adelina); verehel. Garbin (1861–1945), Sängerin

Stehle (Stehle-Garbin) Adele (Adelina), Sängerin. Geb. Graz (Stmk.), 30. 6. 1861; gest. Mailand (Milano, Italien), 24. 12. 1945; röm.-kath. Tochter von Franz S. (s. u.). S. kam in jungen Jahren nach Mailand, wo sie ihre Gesangsausbildung erhielt. Ihre Laufbahn begann sie 1881 in Broni, 1882 sang sie in Mailand. Erst wieder ab 1888 (Bologna) nachweisbar, setzte sie ihre Karriere in Florenz und Venedig (1889) fort. 1890 sang sie in Südamerika (Chile, Peru), dann wieder in Mailand und Rom. S. hat in zahlreichen Urauff. mitgewirkt, so in Leoncavallos „I Pagliacci“ (1892) als Nedda und „I Medici“ (1893) als Fioretta, beide im Mailänder Teatro dal Verme; in Verdis „Falstaff“ (1893, Mailänder Scala) sang sie die Nannetta, in Mascagnis „Guglielmo Ratcliff“ (1895, Mailänder Scala) die Maria. Sie begann ihre Laufbahn als lyr. Sopranistin, übernahm aber später auch die Partien der Verismo-Periode und erlangte Berühmtheit als Interpretin von Puccini-Rollen. Gastspielreisen führten sie u. a. auch nach Warschau (1894), Moskau und St. Petersburg (1897), Madrid (1888, 1900), Odessa (1903, 1904) und Paris (1905). S. war ab ca. 1896 mit dem Sänger Edoardo Garbin (1865–1943) verheiratet, mit dem sie 1898 in Palermo Puccinis „La bohème“ zum Erfolg verhalf. Im Mai 1893 gastierte sie als Nannetta (mit Garbin als Fenton) anläßl. eines Gastspiels der Mailänder Scala an der Wr. Hofoper. Ihr Vater, Franz S. (geb. Wien, 10. 8. 1812; gest. Mailand, 20. 3. 1892), war 1842–46 Kapellmeister im Dragonerrgt. 2, 1846–56 im IR 51 und 1857–69 im IR 22. Ab 1861 mit einer Italienerin verheiratet, lebte er nach seiner Pensionierung (1869) u. a. in Triest (Trieste) und Mailand. Er war 1860 einer der Mitbegründer des österr. Militärkapellmeister-Pensionsver.

L.: Enc. dello spettacolo; Grove, Opera; Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; Ulrich; W. Beetz, Das Wr. Opernhaus 1869 bis 1945, 1949, S. 80; Mitt. Othmar Barnert, Wien. – Franz S.: E. Rameis, Die österr. Militärmusik … (= Alta Musica 2), 1976, S. 177; P. Karch, in: Pannon. Forschungsstelle Oberschützen. Arbeitsberr.-Mitt. 2, 1991, S. 147; K. Márkus, ebd. 3, 1992, S. 289, 332; KA, Wien.
(C. Höslinger – H. Reitterer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 141
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