Steidele, Raphael Johann (1737–1823), Geburtshelfer und Chirurg

Steidele Raphael Johann, Geburtshelfer und Chirurg. Geb. Innsbruck (Tirol), 20. 2. 1737; gest. Wien, 10. 9. 1823. Nach Absolv. seiner Schulausbildung stud. S. 1763/64 Med. an der Univ. Wien (genauere Stud.daten nicht nachweisbar); 1764 Mag. obstet., 1784 Dr. chir. Anschließend erhielt er eine Anstellung am Unierten Spital (vereinigtes Span. und Dreifaltigkeitsspital), wo er als erster Wundarzt wirkte. Dort erteilte er auch prakt. Unterricht in Chirurgie und Geburtshilfe. Als 1789 die Geburtshilfl. Univ. Klinik im AKH gegr. und mit Boër (s. d.) besetzt wurde, entzog man S. allerdings den geburtshilfl.-prakt. Unterricht. Nach dem Tod von Valentin Lebmacher fungierte S. 1797–1816 als Prof. für theoret. Geburtshilfe an der Univ. Wien. 1817 i. R. Zu seinen bedeutendsten Schülern zählte u. a. der Chirurg Johann Nep. Hunczovsky. S., k. k. Rat, förderte durch seine geburtshilfl. Werke die Ausbildung der Hebammen und die Verselbständigung der ärztl. Geburtshilfe von der Chirurgie. Insbes. befaßte sich S. mit der Diätetik, der Physiol., der Pathol. der Geburt sowie mit operativen Maßnahmen. Durch ihn wurde der Gebrauch der französ. Geburtszange nach André Levret favorisiert, er selbst konstruierte eine Steißzange.

W.: s. u. Herrmann.
L.: Czeike; Hirsch; Lesky, s. Reg.; Wurzbach; Th. Puschmann, Die Med. in Wien während der letzten 100 Jahre, 1884, S. 40f.; H. Fasbender, Geschichte der Geburtshilfe, 1906, S. 267; I. Fischer, Geschichte der Geburtshilfe in Wien, 1909, S. 99ff.; C. J. Gauß – B. Wilde, Die Dt. Geburtshelferschulen, 1956, S. 275; W. Baresel, Personalbibliographie … Univ. Wien … 1745–90 und der Josephs-Akad. in Wien von 1780–90, med. Diss. Erlangen–Nürnberg, 1971, S. 107ff.; E. Herrmann, Beitrr. zur Geschichte des Lehrkörpers der Med. Fak. der Univ. Wien, phil. Diss. Wien, 1981, S. 107f. (m. W.); UA, Wien.
(G. Schmidt-Wyklicky)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 142f.
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