Steidler, Josef (Pepi) (1846–1923), Gesangskomiker

Steidler Josef (Pepi), Gesangskomiker. Geb. Wien, 9. 1. 1846; gest. ebd., 1. 6. 1923. Sohn eines Porzellanmalers. S., zunächst Theaterstatist, erhielt bei der Ges. von Franz Deckmayer und Josef Unger sein erstes Engagement als Volkssänger und gründete 1868 mit Wenzel Seidl und Kriebaum (beide s. d.) selbst eine, allerdings nur kurzlebige, Ges. Er war i. d. F. bis 1875 in Budapest engag. und trat dann wieder in Wr. Vergnügungslokalen („Chantant Hornik“, „Universum“, „Kempner-Orpheum“, „Tauber-Orpheum“), ab 1879 auch in Breslau (Wrocław) und Dresden auf, wo ihn Eduard Danzer für sein 1872 gegr. Varieté Danzers Orpheum entdeckte. An diesem trat S. 1880–1900 und dann nochmals 1902 als beliebter Gesangskomiker auf. 1893–95 betrieb er mit Luise Montag (s. Aloisia Plechacek) und seiner zweiten Frau Amelie eine eigene Ges. Bis zu seinem Lebensende sang und spielte er noch v. a. im Varieté Gartenbau, im Dritten Kaffeehaus, im Venedig in Wien und auf Prov.bühnen. Er war in dritter Ehe mit der Soubrette Paula Palme verheiratet. S. hatte als Groteskkomiker mit charakterist. schiefem Mund (den er in Couplets selbstiron. hervorhob), eigentüml. Gang und auffälliger Mimik, aber auch mit seinen Lied- und Coupletvorträgen große Erfolge. Seine Spezialität waren die „Klapphornverse“ nach Münchner Vorbild, in denen er auf Tagesaktualitäten einging und die er in Kostüm und Maske eines böhm. Musikanten vortrug.

W.: Couplettexte.
L.: Wr. Bilder, 17. 5. 1896 (m. B.); Illustrirtes Wr. Extrabl., 25. 11. 1904 (m. B.), 19. 10. 1926; FB, 27. 11. 1904; Kronen-Ztg., 6. 4. 1906 (m. B.); Die Neue Ztg., 8. 5. 1913 (m. B.); NWT, 21. 10. 1922, 31. 5. 1932; Welt-Bl., 3. 6. 1923 (m. B.); RP, 3. 6. 1932; Czeike; J. Koller, Das Wr. Volkssängertum in alter und neuer Zeit, 1931, S. 104ff.; H. Hauenstein, Chronik des Wr.liedes, 1976, S. 117f.; Wien. Musikgeschichte 1, ed. E. Th. Fritz – H. Kretschmer (= Geschichte der Stadt Wien 6), 2006, s. Reg.
(E. Weber)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 143f.
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