Stein, Carl Robert (1852–1932), Fabrikant

Stein Carl Robert, Fabrikant. Geb. Kaiserswalde, Böhmen (Císařský, Tschechien), 22. 5. 1852; gest. Velký Šenov, Tschechoslowakei (Tschechien), 8. 7. 1932. Sohn von Carl Friedrich S. (geb. Berga, Sachsen-Weimar-Eisenach / Berga an der Elster, Dtld., 8. 12. 1826; gest. Kaiserswalde, 11. 1. 1875), Schuhmachermeister und 1867–70 Bgm. von Kaiserswalde. S. besuchte die Webschule im sächs. Glauchau, arbeitete dann in einer Weberei in Warnsdorf (Varnsdorf), danach als Angestellter und Reisender einer Bandweberei in (Groß-) Schönau (Velký Šenov). 1878 machte er sich selbständig und begründete dort eine Knopffabrik, 1880 eine Zweigniederlassung in Sohland an der Spree, durch welche die Einfuhrzölle aus der Österr.-ung. Monarchie ins Dt. Reich umgangen werden sollten. Das Unternehmen, das zunächst v. a. Wäsche- und Zwirnknöpfe, bald auch Trikotagen-, Nickel-, Hosen- und Kleiderdruckknöpfe erzeugte, expandierte und wurde aufgrund zahlreicher Patente zum branchengrößten in Europa. Während vor Ausbruch des 1. Weltkriegs an beiden Standorten zeitweise mehr als tausend Angestellte, Heim- und Fabrikarbeiter beschäftigt wurden, konzentrierte S. nach dem Zusammenbruch der Monarchie die Produktion in Sohland. Er erweiterte den Standort, an dem etwa 1924 neben fünf Angestellten 200 Fabrik- und 700 Heimarbeiter beschäftigt waren, während in Groß-Schönau mit geringem Personalstand der Vertrieb der Knöpfe in der Tschechoslowakei besorgt wurde. 1925 verwendete die Fa. erstmals den Namen Adler-Knopf-Fabrik Carl Stein. S., der sich in der Branche eines ausgez. Rufs erfreute, gilt als Pionier der dt. Wäscheknopfind. und als Erfinder des „massiven Wäscheknopfs“. Er war 1907 auch Stadtrat in Schönau. Das Unternehmen in Sohland überstand den 2. Weltkrieg und wurde 1949 ins Volkseigentum der DDR übernommen.

L.: Dt. Ztg. Bohemia, 10. 7. 1932; Bautzener Land, red. Th. Schütze, 1959, S. 242f.; (E. Marschner), in: Niederland-Sonderbeilage, April 1966 (m. B.); U. Hahnemann, Die Geschichte der sächs. Knopfind., phil. Diss. Chemnitz, 2001, S. 264, 456.
(E. Lebensaft)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 147f.
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