Stein, Richard (1871–1932), Verleger

Stein Richard, Verleger. Geb. Proßnitz, Mähren (Prostějov, Tschechien), 20. 8. 1871; gest. Wien, 6. 10. 1932; mos., ab 1885 evang. HB. Sohn von Markus (s. d.), Bruder von Helene (s. u.) und Erwin S. (geb. Wien, 7. 11. 1885; gest. London, Großbritannien, 19. 7. 1958), der, ein Schüler Schönbergs, als Dirigent und Musikwiss. v. a. im brit. Exil Bedeutung erlangte. Nach Besuch des Akadem. Gymn. stud. S. ab 1890 an der Univ. Wien Jus, 1896 Dr. jur., absolv. aber auch eine Buchdruckerlehre bei Julius Klinkhardt in Leipzig und ehel. dessen Enkelin. 1898 trat er als Ges. in die Manzsche Verlags- und Univ.buchhandlung ein, in der er 1910 an der Seite seines Vaters Miteigentümer wurde. V. a. Papier- und Facharbeitermangel sowie die „Bleiabgabe“ stellten ihn während des 1. Weltkriegs vor schwierige Aufgaben, und erst recht brachte der Zusammenbruch Österr.-Ungarns erhebl. Einbußen (u. a. waren die Gesetzbücher aus der Monarchie zu Makulatur geworden). Mit fundierten volkswirtschaftl. Kenntnissen und kaufmänn. Geschick gelang es S. jedoch, das Unternehmen durch die schwierigen Nachkriegsjahre zu führen. Zur Gewinnung von Kapital wurde 1920 die Ed. MANZ AG mit französ. Teilhabern gegr., und über die preisgünstige „Collection Manz“, bestehend aus der Neuaufl. französ. Klassiker, gefolgt von der „Edition Larousse“ (Werke zeitgenöss. französ. Schriftsteller), sowie mit Kunstbüchern erschloß S. Frankreich als neuen Markt. Gesetzesausg. blieben trotz des im Kleinstaat Österr. stark verringerten Interessentenkreises weiterhin Schwerpunkt des Verlagsprogramms. S. war auch Obmann des Verbands der österr. Buch-, Kunst- und Musikverleger sowie der Verlegergruppe der österr. Buch-, Kunst- und Musikalienhändler. Nach seinem und seines Vaters Tod wurde die Fa. von seinem Sohn Dr. Robert S. (1899–1970) weitergeführt. S.s Schwester Helene S., verehel. Winger (geb. Wien, 18. 3. 1884; gest. ebd., 1. 4. 1945; mos., ab 1886 evang. HB), war ab 1919 mit dem österr. Off. Richard Winger (gest. 1929) verheiratet. Vermutl. durch den Kontakt zu zahlreichen Künstlern im Kunstsalon ihrer Familie inspiriert, wandte sie sich der Malerei zu. In ihren von heller Farbgebung dominierten Arbeiten – vorwiegend Landschaften, Genres und Stilleben (etwa „Landschaft aus Spanien“, „Die Netzflickerinnen“, „Äpfelverkäuferin“) – ist der Einfluß der Fauvisten zu erkennen. S. stellte ihre Bilder u. a. in der Stockholmer Kunsthalle (1917), im Wr. Künstlerhaus (1919), in der Secession und in den Ausst. der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österr., deren Mitgl. sie war, aus.

L.: NFP, 7. 10. 1932; Hdb. der Emigration 2 (für Erwin S.); R. Hermann, in: Jurist. Bll. 61, 1932, S. 436; Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel 73, 1932, Nr. 42, S. 2; A. Durstmüller d. J., 500 Jahre Druck in Österr. 3, 1988, S. 208; 150 Jahre MANZ, red. F. Stein – A. Hilscher, 1999, passim (m. B. von Richard und Robert S.); Th. Brezinka, Erwin S. (= Schriften des Wissenszentrums Arnold Schönberg 2), 2005, s. Reg.; IKG, Materialiensmlg. ÖBL, UA, alle Wien; Mitt. Susanne Stein-Dichtl, Wien. – Helene S. (auch s. u. Winger): Fuchs, Geburtsjgg.; S. Plakolm-Forsthuber, Künstlerinnen in Österr. 1897–1938, 1994, S. 68, 130; IKG, Materialiensmlg. ÖBL, UA, WStLA, alle Wien.
(Ch. Gruber – J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 155f.
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