Steinach, Simon (1834–1904), Mediziner

Steinach Simon, Mediziner. Geb. Hohenems (Vbg.), 7. 4. 1834; gest. Wien, 6. 5. 1904; mos. Enkel von Simon Wolf Ullmann (später S.), Sohn von Wilhelm, Vater von Eugen S. (beide s. d.). Nach Absolv. des Gymn. in Feldkirch stud. S. ab 1853 Med. an der Univ. Wien, u. a. bei J. v. Skoda, J. v. Oppolzer und K. Frh. v. Rokitansky (alle s. d.); 1859 Dr. med. Unter dem Einfluß E. W. v. Brückes (s. d.) entschied sich S. zunächst für die Forschung und arbeitete in dessen Laboratorium u. a. gem. mit H. Auspitz, Basch, Brettauer (alle s. d.) und Salomon Stricker. Gem. mit Brettauer gelang ihm die bedeutsame Entdeckung des Bürstenbesatzes der Zylinderepithelzelle im Darm, wodurch sie fundamentale Stoffwechselvorgänge erklären konnten. Trotz seiner Neigung zur Forschung übernahm S. auf Wunsch seines Vaters 1860 die Praxis in seinem Heimatort. Daneben bildete er sich v. a. in Münsterlingen in der Schweiz chirurg. weiter. Dieses Wissen setzte er im dt.-franz. Krieg 1870/71 in diversen Lazaretten in die Praxis um, letztl. operierte er im Militärspital in Karlsruhe unter Billroth (s. d.). Aus diesen Erfahrungen führte S. als einer der ersten in Vbg. die antisept. Wundbehandlung ein. Seine soziale Ader zeigte sich in seiner Tätigkeit als Armen-, Fabriks- und Eisenbahnarzt. Stets für Modernisierung und Fortschritt kämpfend, fungierte S. im Vbg. Landesschulrat, im Preßkomitee der „Feldkircher Zeitung“, im Vorstandkomitee der Feuerwehr, er engagierte sich für das Rote Kreuz, nahm an Verhh. über die Rheinregulierung teil, ordnete als Gmd.rat die Rechtsverhältnisse der Gmd. Hohenems neu und setzte sich für die Ausgestaltung der israelit. Institutionen ein. 1869 zum Bgm. gewählt, verdankte ihm die Israelitengmd. 1885 die Inkorporierung in die Hohenemser Christengmd. 1893 kehrte S. nach Wien zurück, wo er Vorlesungen S. v. Exner-Erwartens (s. d.) über Physiol. hörte und sich der Forschung widmete. Bes. verdienstvoll erwies er sich 1894 bei der Mitarb. an der naturwiss.-med. Ausst. in Wien anläßl. der 66. Versmlg. der dt. Naturforscher und Ärzte. S. war Mitgl. des Vbg. Ärztever., Vorstandsmitgl. des Ver. der Verfassungsfreunde und Mitgl. der Ges. der Ärzte in Wien.

W.: Untersuchungen über das Zylinderepithelium der Darmzotten und seine Beziehung zur Fettresorption, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 23, 1857, Abt. 2 (gem. m. J. Brettauer); etc.
L.: Feldkircher Ztg., 25. 10. 1893, 14. 5. 1904; Hohenemser Gmd.bl., 10. 9., 22. 10. 1893, 15., 29. 5. 1904; Vbg. Landesztg., 28. 10. 1893, 13. 5. 1904; Hdb. jüd. AutorInnen; WKW 17, 1904, S. 659f.; A. Tänzer, Die Geschichte der Juden in Hohenems, Nachdruck 1982, s. Reg., bes. S. 350ff.; M. Flatz, Liberales Hohenemser Judentum in der 2. Hälfte des 19. Jh. dargestellt am Arzt Dr. S. S., phil. DA Innsbruck, 1994, S. 39ff.; IKG, UA, WStLA, alle Wien; Mitt. Eva-Maria Hesche, Hohenems, Vbg.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 157f.
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