Steinacker, Edmund (Ödön); Ps. Sincerus (1839–1929), Politiker und Publizist

Steinacker Edmund (Ödön), Ps. Sincerus, Politiker und Publizist. Geb. Debreczin (Debrecen, Ungarn), 23. 8. 1839; gest. Klosterneuburg (NÖ), 19. 3. 1929 (Verkehrsunfall); evang. AB. Sohn von Gustav (s. d.), Vater des Theologen Roland (1870–1962) und des Historikers Harold S. (1875–1965). S. wuchs an den Wirkungsstätten des Vaters in Ungarn, Triest und Weimar auf, besuchte das Lyceum in Ödenburg (Sopron), durchlief die Ausbildung zum Ing. in Pest-Buda (Budapest), Weimar und an der TH Stuttgart und kehrte nach Aufenthalten in England und Frankreich im Gefolge des Österr.-ung. Ausgleichs 1867 nach Ungarn zurück, um zunächst als Eisenbahning., ab 1868 als Dir. des Landesind.ver. und ab 1869 als Syndikus der Budapester HGK zu wirken. Durch seinen Schwiegervater, den Journalisten Eduard Glatz, für die Nationalitätenfrage sensibilisiert, widmete er sich ab 1874 den polit. Anliegen des dt.stämmigen ungarländ. Bürgertums und entwickelte sich zu dessen maßgebl. nationalen Erwecker. Als siebenbürg. Abg. gehörte er 1875–88 dem ung. Reichstag an, wo er durch seine Kritik an der Politik von Ministerpräs. Kálmán Tisza, dem er vorwarf, die wirtschaftl. und gesellschaftl. Modernisierung zu gefährden, Aufsehen erregte. Aufgrund seines Kampfs gegen die Madjarisierungspolitik verlor S. 1888 sein Mandat, wurde 1892 zwangsweise i. d. R. versetzt und übersiedelte nach Wien, wo er bis 1897 als Sekr. des Fremdenverkehrsver. tätig war. Polit. im Alldt. Verband (ab 1892) und im Dt. Schulver. verankert, widmete er sich publizist. den vitalen Fragen des Südostdeutschtums, wofür er 1899 mit dem „Deutschen Tagblatt für Ungarn“ ein entsprechendes Sprachrohr schuf. 1902/03 wurde S. wegen angebl. ungarnfeindl. Artikel zu einigen Tagen Haft verurteilt. Ende 1906 war er an der Gründung der Ungarländ. Dt. Volkspartei beteiligt, außerdem gehörte er ab 1907 zum Beraterkreis um Thronfolger Franz Ferdinand (s. d.) und beteiligte sich an dessen Überlegungen für eine antidualist. Reichsreform. Während des 1. Weltkriegs engagierte sich S. im Kreis um H. Friedjung (s. d.), aus dem 1915 die „Denkschrift aus Deutsch-Österreich“ hervorging. Noch in den 1920er Jahren galt seine Aufmerksamkeit Fragen der Minderheitenpolitik im Donau- und Karpatenraum, so leitete er etwa die Südostdt. Schulstiftung und nahm an zahlreichen Tagungen, etwa des Ver. für das Dt.tum im Ausland oder des Schulver. Südmark, teil.

W.: Eine Selbstbiographie, in: Die Karpathen 3, 1910 (m. B.); Lebenserinnerungen (= Veröff. des Inst. zur Erforschung des dt. Volkstums im Süden und Südosten … 13), 1937; etc.
L.: RP, 22. 3. 1929; Biograph. Lex. Südosteuropas; M. Életr. Lex.; Szinnyei; H. Steinacker, in: Ein Leben für Kirche und Volk. FS für Roland S. ..., ed. D. Alexy, 1960, S. 109ff.; ders., Austro-Hungarica (= Buchr. der Südostdt. Hist. Komm. 8), 1963, S. 312ff.; G. Schödl, Alldt. Verband und dt. Minderheitenpolitik in Ungarn 1890–1914 (= Erlanger Hist. Stud. 3), 1978, bes. S. 135ff.; I. Senz, in: Ostdt. Gedenktage 1989, 1988, S. 137ff. (m. B.); Dt. Geschichte im Osten Europas. Land an der Donau, ed. G. Schödl, 2. Aufl. 2002, s. Reg.
(K. W. Schwarz)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 158f.
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