Steinbach, Emil (1846–1907), Politiker

Steinbach Emil, Politiker. Geb. Mariahilf, NÖ (Wien), 11. 6. 1846; gest. Purkersdorf (NÖ), 26. 5. 1907; röm.-kath. Sohn eines vom Judentum zum Katholizismus konvertierten Goldarbeiters. S. wurde zunächst zu Hause unterrichtet, besuchte ab 1856 die Oberrealschule und maturierte 1863 als Externist mit Ausz. am Akadem. Gymn. in Wien. Danach stud. er Jus. an der Univ. Wien; 1869 Dr. jur. Nach Advokaturspraxis (ab 1869) und einem Lehrauftrag an der Wr. Handelsakad. (ab 1873) wurde S. 1874 ins Justizmin. berufen und war dort maßgebl. an der Gestaltung der Arbeiterschutzbestimmungen im Gewerberecht (1884/85), des Gewerbeinspektorengesetzes (1883) sowie des Arbeiter-Unfall- und Arbeiter-Krankenversicherungsgesetzes (1887/88) beteiligt. Daneben war S. Mitgl. der rechtshist. sowie der jurid. Staatsprüfungskomm. und unterrichtete ab 1884 auch an der Oriental. Akad. 1887 Sektionschef im Justizmin., wurde er 1891 zum Finanzminister im Kabinett Taaffe ernannt. S. führte die Valutareform – den Übergang vom Silber- auf den Goldstandard – durch und bereitete die Einführung der Personal-Einkommensteuer vor. Sein Versuch, das Wahlrecht zu demokratisieren, zog 1893 den Sturz der Regierung Taaffe nach sich. S. übernahm hierauf die Funktion eines Senatspräs. beim Obersten Gerichtshof und wurde dort 1899 stellv. Präs. sowie als lebenslängl. Mitgl. ins HH berufen. 1904 erfolgte seine Ernennung zum 1. Präs. des Obersten Gerichtshofs. Daneben entfaltete er eine intensive wiss.-publizist. Tätigkeit zu wirtschaftl., aber auch sozialen Themen, die ihm ein spezielles Anliegen waren.

W. (tw. als Separatabdrucke): Über die Pflichten des Besitzes, 1885; Erwerb und Beruf, 1896; Rechtsgeschäfte der wirthschaftl. Organisation, 1897; Genossenschaftl. und herrschaftl. Verbände in der Organisation der Volkswirthschaft, 1901; Der Staat und die modernen Privatmonopole, 1903; etc.
L.: NFP, 27. (A.), 28. 5. 1907; Czedik 1, s. Reg.; Enc. Jud.; Kosel 1; NÖB 2, S. 48ff.; Universal Jew. Enc.; G. Kolmer, Das HH des österr. RR, 1907; F. Schönborn, in: Dt. Revue 32, 1907, Bd. 3, S. 278ff.; H. Wittek, in: Österr. Rundschau 11, 1907, S. 414ff.; L. Wittmayer, in: Jb. für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft 31, 1907, H. 2, S. 115ff.; W. König, in: Jb. der österr. Leo-Ges., 1931, S. 186ff.; E. Svarovsky, E. S. ..., phil. Diss. Wien, 1963; W. Fritz, Für Kaiser und Republik, 2003, S. 78ff.; ders., Finanzminister E. S. – Der Sohn des Goldarbeiters (= Austria: Forschung und Wiss. – Soziol. 5), 2007 (m. B.); UA, Wien.
(W. Fritz)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 159f.
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