Steinbach, Josef d. Ä. (1879–1937), Sportler und Wirt

Steinbach Josef d. Ä., Sportler und Wirt. Geb. Horschau, Böhmen (Horšov, Tschechien), 21. 3. 1879; gest. Wien, 15. 1. 1937. Sohn eines Kleinbauern, Vater von Leopold (Poldi) S. (s. d.). S. zog 1894 als Jugendlicher nach Wien, um als Kellner zu arbeiten. Bereits mit siebzehn Jahren sportl. beim 1. Erdberger Athletenklub aktiv, machte er sich rasch als Gewichtheber einen Namen und galt bald als bester Schwerathlet seiner Zeit. Er errang den Titel „stärkster Mann der Welt“ in Moskau 1904 sowie drei Weltmeistertitel (1904 Wien, 1905 Duisburg und Berlin). Bei den inoffiziellen olymp. Zwischenspielen 1906 in Athen gewann S. die Goldmedaille im Einarmig Stoßen (Schwergewicht). Als Favorit für den Bewerb im Beidarmig Stoßen erreichte er, entnervt durch das einheim. Publikum sowie durch Angriffe der griech. Medien, die ihm Professionalismus unterstellten, nur den zweiten Platz hinter dem griech. Lokalmatador Dimitrios Tophalos. S. trug zum Ruf Wiens als „Stadt der starken Männer“ wesentl. bei und zog sich erst 1929 vom sportl. Geschehen zurück. Er erzielte zahlreiche Rekorde im Gewichtheben, seine Bestmarke im Einarmig Stoßen (106 kg) war bis in die 1930er Jahre gültig. Bald nach den Athener Spielen wechselte er ins Lager der Berufsringer, wo er ebenfalls zahlreiche Titel gewann. S., der später in seinem Wohnbez. Wien-Erdberg eine Branntweinschenke führte, erfreute sich großer Popularität, so trat er etwa auch im Stummfilm „Stadt ohne Juden“ (1924) in der Rolle eines Hausknechts auf.

L.: Sport-Tagbl., 16., 20. 1. 1937; Czeike; DBE; Egerländer Biograf. Lex. 2; Beckmanns Sport-Lex. A-Z, 1933; Wr. Bilder 42, 1937, Nr. 4, S. 10 (m. B.); N. Adam, Österreichs Sportidole, 1984, S. 53 (m. B.); K. H. Schwind, in: Das Rotweißrote Sportarchiv 4, 1989 (m. B.); Die Stadt ohne Juden, ed. G. Geser – A. Loacker, 2000, S. 205 (m. B.); J. Huber, Österreichs Sport-Jh., (2000), S. 25ff. (m. B.); M. Marschik, in: Helden und Idole. Sportstars in Österr., ed. ders. – G. Spitaler, 2006, S. 131ff.; Bez.mus. Landstraße, Wien.
(G. Spitaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 160f.
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