Steinbüchel von Rheinwall, Anton (1790–1883), Altertumskundler und Numismatiker

Steinbüchel von Rheinwall Anton, Altertumskundler und Numismatiker. Geb. Krems (Krems an der Donau, NÖ), 4. 12. 1790; gest. Innsbruck (Tirol), 28. 12. 1883. Sohn des in österr. Diensten stehenden, einer alten Kölner Familie entstammenden Miltärarztes Jakob Anton Steinbüchel (1756–1835), der 1823 wegen seiner Verdienste um das Militärsan.wesen mit dem Prädikat „Edler von Rheinwall“ in den erbl. Adelsstand erhoben wurde. S. verbrachte seine Jugend in Böhmen und stud. ab 1807 an der phil. Fak. der Univ. Wien; 1811 Dr. phil. Ab 1809 am Münz- und Antikenkabinett als Praktikant tätig, wurde er 1811 zum 2. Kustos, 1816 zum 1. Kustos und Dir.-Adjunkten, 1819 als Nachfolger Franz Neumanns (s. d.) zum Dir. ernannt. Nach internen Machtkämpfen wurde S. 1840 vorzeitig i. d. R. versetzt. 1817–34 war er Prof. der Münz- und Altertumskde. an der Univ. Wien. Die Leistungen S.s für das Münz- und Antikenkabinett waren die Neuordnung und Inventarisierung der Bestände und die ständige Erweiterung der Smlg. durch Ankäufe (u. a. Smlg. Joseph Barth, Smlg. Zanini, Aquileia, Kunsthändler Rollin, Paris), durch Funde aus Ausgrabungen und durch Tausch. 1821 erfolgte die Hebung des Theseusmosaiks und Übertragung aus Salzburg nach Wien, 1823 die Errichtung eines Ägypt. Mus. in Wien 1 und des ersten „Römischen Provinzialmuseums“ im Theseustempel im Wr. Volksgarten. Ausgedehnte Reisen für Sammlungsankäufe und zu Denkmal- und Museumsstud. führten S. nach Italien, Dtld., Frankreich und England. Als Archäologe begleitete er K. Franz II. (I.) (s. d.) 1818 nach Dalmatien und Oberitalien, 1819 nach Rom und Unteritalien. S. war Mitgl. und Ehrenmitgl. zahlreicher in- und ausländ. Ges. (Accad. Romana di Archeologia, Regale Accad. Ercolanese, Cambridge Philosophical Society, ABK, Ver. für Nassauische Altertumskde. und Geschichtsforschung, Numismatical Society of London). Nach seiner vorzeitigen Pensionierung war S. einige Zeit als Kunsthändler tätig und lebte zunächst in Mailand und Venedig, später in Amstetten, Graz, Triest und Innsbruck.

W.: s. u. Heidecker. – zahlreiche Beitrr. in Wr. Z. für Kunst, Literatur, Theater und Mode (Anzeige-Bl.) und in Jbb. für Literatur.
L.: Graeffer–Czikann; Lhotsky 2/2, s. Reg.; Wurzbach; Sbb. Wien, phil.-hist. Kl. 28, 1858, S. 578f.; W. Goldinger, in: FS zum 100jährigen Bestand des Ver. für Landeskde. von NÖ und Wien (= Jb. des Ver. für Landeskde. von NÖ, NF 36), 1964, S. 517f.; A. Heidecker, A. S. v. R. (1790–1883) …, phil. Diss. Wien, 1969 (m. W.); B. Koch, in: Numismat. Z. 90, 1975, S. 143f.; M. A. Niegl, Die archäolog. Erforschung der Römerzeit in Österr. (= Denkschriften Wien, phil.-hist. Kl. 141), 1980, s. Reg.; Unbekannte Briefe der rhein. Altertumsfreundin S. Mertens-Schaaffhausen, ed. R. Noll, 1985, S. 7ff.; A. Bernhard-Walcher, in: W. Koschatzky, P. Fendi (1796–1842) … (= Veröff. der Albertina 38), 1995, S. 185ff.; M. Špikić, in: Kultura Baština 33, 2006, S. 171ff.
(A. Bernhard-Walcher)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 163
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