Steindachner, Franz (1834–1919), Zoologe und Ichthyologe

Steindachner Franz, Zoologe und Ichthyologe. Geb. Wien, 11. 11. 1834; gest. ebd., 10. 12. 1919. Sohn eines Hof-, Wund- und Geburtsarztes. Nach Absolv. des Schottengymn. stud. S. 1852–56 Jus und 1857–59 Naturwiss. an der Univ. Wien; vermutl. 1860 Dr. phil. Auf Anregung seines Lehrers Eduard Suess wählte S. die Ichthyol. zu seinem Hauptfach und stud. die fossilen Fische des Wr. Beckens. Ab 1857 war er regelmäßig Gast am Hof-Naturalien-Kabinett, um die Fischausbeute der Novara-Expedition zu sichten und zu bearb. 1860 übernahm er die Verwaltung der Fischsmlg. ebd., 1861 Ass. In diesem Jahr unternahm er eine ausgedehnte Sammelreise nach Dalmatien, 1864/65 folgten weitere Reisen in die Schweiz, nach Südfrankreich, Spanien, Portugal und auf die Kanar. Inseln, um die Bestände des Kabinetts zu erweitern, wofür S. 20.000 fl. aus seinem Privatvermögen zur Verfügung stellte. Von seiner Reise nach Senegambien (Westafrika) 1868/69 kehrte er schwer erkrankt zurück, im selben Jahr wurde er zum Kustos ernannt. 1870 folgte S. einer Einladung des Meeresbiologen und Glaziologen Louis Jean Rodolphe Agassiz an die Univ. Cambridge in Boston (Mass.), um Fische zu untersuchen. Gem. mit Agassiz schloß er sich 1871/72 der Expedition nach Süd- und Mittelamerika an Bord der „Hassler“ an. S. veranlaßte, daß nahezu 100.000 Fische gefangen wurden, ein Teil davon wurde ihm für das Naturalien-Kabinett überlassen. Nach monatelanger Sichtung des Materials begab sich S. auf eine Rundreise durch Nordamerika, um an den großen Seen und Flüssen die Fischfauna zu erforschen. 1874 besuchte er bedeutende Mus. in Europa. 1876 Dir. des Zoolog. Hofkabinetts, wurde S. 1889 Dir. der Zoolog. Smlgg. des neu errichteten Naturhist. Hofmus. 1891–97 nahm er an fünf österr. Tiefsee-Expeditionen in das östl. Mittelmeer und das Rote Meer mit der „S.M.S. Pola“ teil. 1898 wurde er Intendant des Naturhist. Hofmus. Die Brasilien-Expedition 1903, im Auftrag der Akad. der Wiss. in Wien, war S.s letzte große Forschungsreise. 1919 i. R., starb er nur wenige Wochen später. S. beschrieb in über 200 ichthyolog. und 52 herpetolog. Veröff. Hunderte neue Arten rezenter und fossiler Fische sowie zahlreiche Amphibien und Reptilien. Unzählige Schenkungen für die Smlgg. des Naturhist. Hofmus. waren seinen internationalen Kontakten zu verdanken. Als Träger zahlreicher Ausz. im In- und Ausland und Ehrenmitgl. vieler wiss. Ges. wurde ihm u. a. 1867 das Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens mit dem Stern verliehen, 1885 der Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1867 k. M., 1875 w. M. der Akad. der Wiss. in Wien, 1897 Ehrenmitgl. der Zoolog.-botan. Ges. in Wien, 1903 Ehrenmitgl. der California Acad. of Science, Mitgl. der Leopoldin. Carolin. Akad. der Naturforscher in Halle an der Saale, 1884 Reg.Rat., 1889 HR.

W.: s. u. Eisenberg; Wurzbach.
L.: NFP, 24. 10. 1901, 14. 5., 23. 7. 1903, 10. 11. 1904, 11., 12. 11. 1914, 11., WZ, 12. 12. 1919; Almanach Wien 70, 1920, S. 114ff. (m. B.); Eisenberg 2 (m. W.); Wurzbach (m. W.); Annalen des Naturhist. Mus. 33, 1919, S. 47f.; Österr. Fischerei-Ztg. 17, 1920, S. 17f.; P. Kähsbauer, in: Annalen des Naturhist. Mus. in Wien, 63, 1959, S. 31; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae (= Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; G. Nonveiller, The pioneers of the research of the insects of Dalmatia, 1999, S. 258; Ch. Riedl-Dorn – J. Seidl, in: Mitt. Österr. Ges. für Wiss.geschichte 21, 2001, S. 17ff. (m. B.); Die Entdeckungen der Welt. Die Welt der Entdeckungen …, ed. W. Seipel, Wien 2002, S. 155 (Kat.); UA, WStLA, beide Wien.
(V. Stagl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 164
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