Steiner von Pfungen, Robert Wilhelm Joseph Frh. (1850–1917), Psychiater

Steiner von Pfungen Robert Wilhelm Joseph Frh., Psychiater. Geb. Penzing, NÖ (Wien), 6. 6. 1850; gest. Wien, 15. 11. 1917; röm.-kath. Enkel von Joseph S. v. P. (s. d.), Sohn von Eduard Frh. S. v. P. (s. u.). Nach Absolv. des Akadem. Gymn. stud. S. ab 1869 Med. an der Univ. Wien; 1876 Dr. med. 1871–73 im Laboratorium von Salomon Stricker tätig, wurde S. 1876 Aspirant, 1879 Sekundararzt und 1881 Ass. an der Psychiatr. Klinik von Th. Meynert (s. d.) im AKH Wien. In den folgenden Jahren sammelte er daneben Erfahrungen in den Laboratorien von L. Mauthner, Barth zu Barthenau, E. Ludwig und H. Obersteiner (alle s. d.). 1883 habil. sich S. für Neuropathol. und übernahm 1885 interimist. die Leitung der Klinik Meynerts. 1890 erhielt er die Dozentur für Psychiatrie und wurde zugleich Prosektor am Krankenhaus Wieden (Wien 4). 1891 erhielt er eine Primararztstelle am K.-Franz-Josef-Spital in Wien, 1894 am Krankenhaus Wieden. Sein wiss. Œuvre, publ. in zahlreichen med. Fachz., ist vielfältig. So forschte er über die Folgen von Gehirnblutungen, über Lungenkrankheiten, Magen- und Darmerkrankungen sowie Erkrankungen des Nervensystems. Aber auch der Blutdruck, die Leitungsfähigkeit des menschl. Körpers sowie die operative Entfernung von bösartigen Tumoren und die daraus folgenden Strahlenbehandlungen zählten zu seinen Forschungsgebieten. Sein bes. Interesse galt der Persönlichkeit Nietzsches und damit verbunden der Psychopathol. Darüber hinaus verf. S. Lex.beitrr. u. a. für das von J. Gad hrsg. „Real-Lexikon der medicinischen Propädeutik“ (1893–99) oder das von Anton Bum red. „Therapeutische Lexikon für praktische Ärzte“ (1890). Sein Vater, der Beamte Eduard Frh. S. v. P. (geb. Brünn, Mähren / Brno, Tschechien, 6. 12. 1802, gest. Wien, 3. 8. 1888; röm.-kath.), war zunächst Sektions- und später Min.Rat im Min. des Inneren und fungierte als Mitgl. mehrerer wiss. und humanitärer Ver. Bes. verdient machte er sich bei der Abwicklung der Rückzahlungen für Kriegsschäden von 1866. 1854 erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1855 Ritterstand, 1873 Frh.

W. (auch s. u. Eisenberg; Kreuter; Pointner): zahlreiche Beitrr. in Wr. med. Bll., Klin. Zeit- und Streitfragen, Fortschritte der Med., Centralbl. für Physiol., Jb. der k. k. Ges. der Aerzte, Jb. für Psychiatrie, WKW, Z. für klin. Med., etc.
L.: NFP, 17. 11. 1917; Eisenberg 2 (m. W.); Fischer; Kreuter (m. W.); Lesky, S. 378; Pagel; G. Pointner, Personalbibliographien … Wr. med. Fak. … 1880–1920, med. Diss. Erlangen-Nürnberg, 1972, S. 22, 71ff., 286 (m. W.); AVA, UA, WStLA, alle Wien. – Eduard Frh. S. v. P.: NWT, 4. 8. 1888 (A.); Wurzbach (s. u. Joseph S. v. P.).
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 181
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