Steiner-Prag, Hugo; eigentlich Steiner (1880–1945), Graphiker, Maler und Illustrator

Steiner-Prag Hugo, Graphiker, Maler und Illustrator. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 12. 12. 1880; gest. New York, N. Y., (USA), 10. 9. 1945; mos., ab 1905 röm.-kath. Hieß eigentl. Steiner, nannte sich ab ca. 1902 S.-Prag. Sohn eines Buchhändlers, ab 1905 mit der Kunstgewerblerin Paula S., geb. Bergmann (geb. Seedorf, Schleswig-Holstein/Dtld., 26. 7. 1880; gest. Stockholm, Schweden, 1964), verehel. Nach Absolv. der Realschule stud. S. ab 1897 an der Prager Kunstakad. unter Brožík und Hynais (beide s. d.) und ab 1901 an der Münchner ABK bei Peter v. Halm und Franz v. Stuck. 1903–05 leitete er die Fachschule für graph. Künste und Illustrationstechnik an den Lehr- und Versuchsateliers für angewandte und freie Kunst in München, 1905–07 Prof. an der Kunstgewerbeschule in Barmen (Wuppertal), 1907–33 Prof. an der Akad. für Graph. Künste und Buchgewerbe in Leipzig, wo er ab 1910 auch als Bühnenbildner für die Städt. Bühnen tätig war. 1933 von den Nationalsozialisten seines Lehramts enthoben, kehrte S. nach Prag zurück, gründete hier die Graphikerausbildungsstätte Officina Pragensis und wirkte als Bühnenbildner am Dt. Theater. 1938 ging S. ins Exil nach Stockholm, wo er Dir. an der Skolan för Bok- och Reklamkonst wurde, 1941 in die USA: Hier übernahm er eine Professur an der Division of Graphic Arts der New York Univ. Ab 1900 erwarb sich S. mit seinen buchkünstler., illustrativen und gebrauchsgraph. Arbeiten rasch einen internationalen Ruf. Stilist. vom Spätimpressionismus, Jugendstil und vom aufkommenden Expressionismus beeinflußt, stimmte er als führender Kopf der Leipziger Buchreformbewegung mit sicherer Hand und unvergleichbarer Bravour die Ausstattung (Umschlag, Einband, Typographie, Illustration) mit dem Inhalt des jeweiligen Werks ab; zu seinen Hauptwerken auf dem Gebiet der phantast. Buchillustration zählen E. T. A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ und Meyrinks (s. d.) „Der Golem“. Daneben schuf er auch Illustrationen für Z., wie die „Lustigen Blätter“ und die „Berliner Illustrierte Zeitung“ sowie zahlreiche Exlibris, Plakate und Reiseskizzen. Weiters war S. an vielen richtungsweisenden Ausst. federführend beteiligt: 1914 leitete er die Abt. für Neuzeitl. Buchkunst auf der Bugra, kuratierte als Vors. des Ver. Dt. Buchkünstler die große Internationale Buchkunstausst. 1927 sowie 1932 die Ausst. Goethe in der Buchkunst (alle in Leipzig). S., der für die wichtigsten Verlage im dt.sprachigen Raum arbeitete, initiierte als künstler. Leiter des Propyläen-Verlags 1929 erstmals den Wettbewerb um die „Fünfzig schönsten Bücher“. Aber auch auf typograph. Gebiet war S. tätig: Für die Gießerei Genzsch & Heyse in Hamburg entwarf er 1913 die rokokohafte Steiner-Prag-Schrift und zeichnete 1930 für das neue Erscheinungsbild der „Vossischen Zeitung“ verantwortl. Sein Nachlaß befindet sich im Leo Baeck Inst. in New York.

W.: s. u. Rodenberg; Hadamowsky; Schlegel.
L.: Enc. Jud.; Hdb. der Emigration; Hdb. jüd. AutorInnen; Thieme–Becker; Universal Jew. Enc.; Vollmer; H. S., ed. H. K. Frenzel, 1928 (m. B.); H. S. zum 50. Geburtstag, ed. J. Rodenberg, 1930 (m. tw. W.); H. S. 1880–1945, Woodstock 1946 (Kat.); H. S. …, bearb. F. Hadamowsky – J. Mayerhöfer (= Biblos-Schriften 10), 1955 (m. B., tw. W. u. L.); E. Steiner-Prag – W. Geiger, in: Gutenberg Jb., 1955, S. 196ff.; H. S. 1880–1945 …, Esslingen 1981 (Kat.); I. Schlegel, H. S. Sein Leben für das schöne Buch, 1995 (m. tw. W.); A. Sennewald, Dt. Buchillustratoren im ersten Drittel des 20. Jh., 1999, S. 213ff.; J. Tomeš u. a., Český biografický slovník XX. století 3, 1999; M. Osterwalder, Dictionnaire des illustrateurs 1890–1945, 2001; Buchgestaltung im Exil 1933–50 (= Ges. für das Buch 9), 2003, S. 200f.; F. C. Heller, Die bunte Welt, 2008, S. 101, 372.
(Ch. Maryška)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 181f.
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