Steiner, (Maria) Agnes Klara (Theresia) (1813–1862), Ordensstifterin

Steiner (Maria) Agnes Klara (Theresia), OSClCap, Ordensstifterin. Geb. Taisten, Tirol (Tesido/Taisten, Italien), 29. 8. 1813; gest. Nocera Umbra (Italien), 24. 8. 1862; röm.-kath. Auf dem „Lahnerhof“ in Taisten geb., verlor S., die in ihrer Kindheit eine lebensgefährl. Krankheit auf unerklärl. Weise überwand, sehr früh den Vater. Eine Tante beeinflußte nachhaltig ihre religiöse Entwicklung. Bereits als junge Frau besaß sie eine übernatürl. Seherinnengabe. Nach der Schulzeit war sie als Dienstmagd und in der Krankenpflege tätig. 1835 trat sie dem Dritten Orden des hl. Franziskus bei; machte in Innichen (San Candido) die Ausbildung zur Lehrerin und unterrichtete für kurze Zeit in der „alten Schule“ der Tertiarschwestern in Brixen (Bressanone). S. fand in mehreren Frauenklöstern kurzfristig Aufnahme, mußte diese Klöster aber aus Krankheitsgründen und wegen anderer Schwierigkeiten wieder verlassen, ehe sie 1838 bei den bayer. Klarissen-Kapuzinerinnen in das Kloster von der Unbefleckten Empfängnis in Assisi eintrat, wo sie 1839 eingekleidet wurde und 1841 die Profeß ablegte. Ab 1843 war sie dort Novizenmeisterin. In Nocera Umbra reformierte sie 1845 auf Bitten des dortigen Bischofs das Klarissenkloster San Giovanni Battista, wurde dessen erste Äbtissin und gab diesem eine eigene gemilderte Regel („Clarisse mitigate“; „Reformierte [Gemilderte] Klarissen“), die 1847 die päpstl. Bestätigung erhielt und z. Tl. auch vom Kloster St. Paul in Perugia über Ersuchen des dortigen Bischofs, des späteren Papstes Leo XIII., übernommen wurde. Papst Pius IX. kannte S. persönl., die 1862 im Ruf der Heiligkeit starb. In ihrer Heimat in Taisten erfolgte 1906 eine Tochtergründung der reformierten Klarissen mit sieben Schwestern aus Nocera Umbra. Aufgrund von zahlreichen Gebetserhörungen wurde 1909 für die „Lahnerheilige“, wie sie vom Volk bezeichnet wurde, ein Seligsprechungsprozeß eingeleitet. Ihr Beichtvater, P. Franz v. Reus OFM, verf. ihre erste, zweibändige Biographie.

L.: Bautz 10; LThK, 3. Aufl.; F. de Reus, Compendio della vita della Serva di Dio Suor M. A. Chiara S., 1878, mehrere Aufl., dt.: Kurze Lebensgeschichte der Dienerin Gottes M. A. K. S., 1882, 2. Aufl. 1886; J. Baur, Die Kreuzträgerin, 1942 (m. B.); ders., Vierklee aus Südtirol, 1962, S. 38ff.; M. Heimbucher, Die Orden und Kongregationen der kath. Kirche 1, 1965, S. 828; G. Sigismondi, Nella chiesa e per la chiesa. Madre A. S., 1973 (m. L.); J. Gelmi, Geschichte der Kirche in Tirol. …, 2001, S. 331.
(M. Sohn-Kronthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 167
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