Steiner, Josef (1862–1912), Politiker, Journalist und Gewerkschafter

Steiner Josef, Politiker, Journalist und Gewerkschafter. Geb. Wolschan, Böhmen (Olšany, Tschechien), 14. 11. 1862; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 27. 12. 1912. S. erlernte das Glasschleiferhandwerk und arbeitete Anfang der 1880er Jahre in Nordböhmen, wo er mit den Ideen des Sozialismus und des Anarchismus in Kontakt kam. Nach seiner Rückkehr nach Prag wirkte er im Polit. Club der tschech. Arbeiterschaft; als dessen Vors. beteiligte er sich an der Organisation der Feiern zum 1. Mai 1890, die den Aufbruch der sozialdemokrat. Arbeiterbewegung nach langer Stagnation bedeuteten. In den 1890er Jahren red. S. verschiedene sozialdemokrat. Z., wie „Osmihodinná doba pracovní“, „Sociální demokrat“, „Právo lidu“ oder „Heslo“, und gründete 1896 die Arbeiterakad., die erste Bildungsanstalt der tschech. sozialdemokrat. Arbeiterschaft. 1897 wurde er in den RR gewählt, wo er die staatsrechtl. Politik des tschech. Bürgertums scharf verurteilte. 1899–1905 leitete S. die Red. der sozialdemokrat. Tagesztg. „Dělnické listy“ in Wien. Als Sekr. der tschech. Gewerkschaftszentrale (ab 1905) versuchte er v. a. die Selbständigkeit tschech. Gewerkschaften gegenüber der Wr. Gewerkschaftskomm. zu behaupten und die Vertretung der Tschechen im Rahmen der europ. Gewerkschaftsbewegung zu wahren. Ab 1910 aufgrund seiner vielen Agenden durch gesundheitl. Probleme beeinträchtigt, verbrachte er seine letzten Lebensjahre in einer Heilanstalt. S. trug zur Modernisierung der sozialdemokrat. Bewegung bei und intensivierte v. a. die Agitationsarbeit, mit der er etwa auch auf bäuerl. Schichten oder auf die Kommunalpolitik abzielte.

L.: J. Vozka, J. S., typ dělnického vůdce, 1932; J. Fleglová, in: Středočeský sborník historický 8, 1973, S. 859ff.; J. Pokorný, in: Člověk na Moravě 19. století, ed. L. Fasora u. a., 2004, S. 140ff.
(J. Pokorný)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 173
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